Gefährliche Geliebte

Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami

Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami

Ich habe ja schon mehrfach erwähnt, daß ich Haruki Murakami für einen (Schriftsteller-)Gott halte. Auch mit seinem Roman „Gefährliche Geliebte“ hat er mich wieder begeistert, und das, obwohl das Buch so ganz anders ist, als die anderen seiner Werke, die ich gelesen habe.

„Gefährliche Geliebte“ ist die sehr geradlinig erzählte Geschichte einer zum Scheitern verurteilten großen Liebe. Und dieses Mal ist da so gar nichts von dem, was man bei Murakamis Büchern erwartet: keine phantastischen Begebenheiten, keine altklugen Teenager, ja sogar der Held der Geschichte hat völlig Murakami-untypisch tatsächlich einen … *Trommelwirbel* … Namen!

Dieses Buch erfüllt also keine meiner Erwartungen und es ist noch dazu eine Liebesgeschichte (die mich eigentlich sonst eher peripher interessieren … und trotzdem ist es großartig und fesselnd und man kann es nicht aus der Hand legen. Wieso bloß?

Zunächst einmal ist da diese süße Traurigkeit, die in jedem Satz dieses Buches mitschwingt. Nicht nur daß der Protagonist Besitzer zweier Jazzclubs ist, der gesamte Roman „got the Blues“, ist von sehnsuchtsvoller Melancholie durchzogen.

Dann die Tatsache, daß „Gefährliche Geliebte“ (wie eigentlich alle Bücher Murakamis) nicht gut ausgeht. Oder zumindest hat das Buch kein „Happy End“ wie man es aus kitschigen Hollywoodfilmen gewohnt ist. Ich empfinde das immer als sehr angenehm. Generell etwas, das östliche Schriftsteller (seien das jetzt Osteuropäer oder Asiaten) auszeichnet.

Aber vor allem ist es, glaube ich, weil Murakami wieder einmal beweist, wie viel er von der menschlichen Natur verstanden hat. Denn was er beschreibt, das hat so viel mehr mit Liebe zu tun als alle Klischees aus sämtlichen Liebesschnulzen oder Frauenzeitschriften:

Yukiko und ich fühlten und von Anfang an zueinander hingezogen. Ihre Freundin war viel hübscher, aber ich hatte nur Augen für Yukiko. Eine unerklärlich starke Anziehungskraft trieb uns zusammen; […] Je öfter ich sie sah, desto mehr gefiel sie mir. Sie war eher unscheinbar, zumindest nicht der Typ, der all die Blicke der Männer auf sich zieht. Aber es lag etwas in ihrem Gesicht, das nur für mich bestimmt war. […]

Wir suchten uns immer einen ruhigen Ort, und dann unterhielten wir uns. Ich konnte ihr alles erzählen, ganz offen, ohne jede Scheu. […]

Oh ja, der Mann hat es verstanden, das Leben, das Universum, und überhaupt den ganzen Rest.

Es ist nur schade, daß der DuMont Buchverlag mittlerweile seine Bücher nicht mehr aus dem Japanischen übersetzen läßt. Stattdessen werden die englischen Übersetzungen übersetzt. Dadurch geht viel von der sprachlichen Schönheit verloren. Normalerweise zeichnet sich Murakami durch einen schnörkellosen, knappen und sehr lakonischen Stil mit kurzen präzisen Sätzen aus. In dieser Übersetzung einer Übersetzung ist das nicht mehr zu erkennen. Peinlich, daß ein großer Verlag ausgerechnet an dieser Stelle sparen muß.

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