Der Zementgarten

Der Zementgarten von Ian McEwan

Der Zementgarten von Ian McEwan

Jack und seine Geschwister scheinen zunächst ein ganz normales Leben in einer ganz normalen englischen Vorortsiedlung zu führen. Doch dann stirbt der Vater – nicht ohne Zutun des 15-jährigen Jack – und schließlich auch die krebskranke Mutter. Da ihnen jetzt das Waisenhaus droht, beschließen die Kinder, die Leiche der Mutter in einem Privatbegräbnis im Keller zu verbergen. Jack und seine Schwester Julie bilden nun das neue Elternpaar, das sich in einer gespenstischen Szene schließlich auch sexuell vereinigt. „Im Hintergrund hatte ich das Gefühl, als säßen wir da und warteten auf ein schreckliches Ereignis, und dann fiel mir ein, daß es schon geschehen war“, kommentiert Jack seine Geschichte.

Ian McEwan gelingt mit seinem Roman „Der Zementgarten“ (1978) eine beklemmende psychologische Studie, die unter die Haut geht. Abgestoßen und fasziniert zugleich folgt der Leser den Lügen und Begierden, den Perversionen und Leidenschaften der Jugendlichen. Andrew Birkin verfilmte den Roman 1992 mit Andrew Robertson und Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen.

Über weite Strecken liest sich „Der Zementgarten“ wie ein Traumerlebnis. Und auch der Protagonist Jack hat oft das Gefühl, alles zu verschlafen, oder wie in einem Traum durch die Welt zu gehen. Dieser Traum allerdings ist ein veritabler Alptraum!

Nach dem Tod der Mutter beschließen die Kinder, dies zu verheimlichen, damit sie nicht ins Heim müssen und nicht getrennt werden. Soweit so gut, aber dann … Nach und nach kann man beobachten, wie die Kinder immer weiter verwahrlosen. Überall liegt Müll herum, Jack betreibt keinerlei Körperhygiene mehr, die Kinder gehen nur noch unregelmäßig zur Schule. Doch das ist nur der Beginn einer langsamen Abwärtspirale.

Ian McEwan schafft in seinem Buch eine schwül-klebrige Atmosphäre, die lähmend auf allem liegt. Fasziniert und angeekelt zugleich beobachtet man seine Figuren, die sich völlig selbstverständlich durch diesen Alptraum bewegen, so als sei dieses Abgleiten das Normalste der Welt. Unheimlich gute Lektüre!

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