Lady Windermeres Fächer

Lady Windermeres Fächer von Heinz Hilpert

Lady Windermeres Fächer von Heinz Hilpert

Von der feinen Londoner Gesellschaft wurde Mrs Erlynne einst verstoßen – nun kehrt sie nach Jahren in Amerika in die britische Hauptstadt zurück und versucht erneut, in deren vornehmen Kreisen Fuß zu fassen. Ihre Tochter, derweil Lady Windermere, erkennt die Mutter nicht. Mrs Erlynne offenbart sich dem Schwiegersohn, der seiner Gattin gegenüber aber schweigt, um diese zu schonen: Die Verwandtschaft mit Mrs Erlynne öffentlichlich zu machen würde einen Skandal provozieren.

Was den Film „Lady Windermeres Fächer“ angeht, bin ich ziemlich zwiegespalten. Einerseits ist er, für sich alleine betrachtet, sehr gut gemacht. Gerade die Schnittechnik und Regieführung ist großartig. Zum Beispiel werden zu Beginn der Tagesanfang von Lady Windermere und der von Mrs Erlynne gegeneinander geschnitten, so daß der Kontrast zwischen den beiden Frauen und ihren Lebenswelten deutlich dargestellt wird. Auch die Schauspieler brauchen sich nicht verstecken, man merkt ihnen ihre Spielfreude an, die Dialoge sind pointiert, der Ausdruck immer treffend.

Wenn man aber andererseits bedenkt, daß „Lady Windermeres Fächer“ auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Oscar Wilde basiert, kommt man nicht umhin, ein wenig enttäuscht zu sein. Während Wildes Stück (natürlich) vor allem eine bissige Satire ist, hat man es im Film zu einem Melodrama umgearbeitet. Gerade der Prolog des Films (das Bühnenstück setzt erst mit Lord Darlingtons Besuch bei Lady Windermere ein) sorgt (übermäßig tragödisierend) dafür, daß der Zuschauer von vornherein über alles und jeden informiert ist, so daß die amüsanten Wendungen, die Oscar Wilde vorgesehen hatte, schlicht nicht mehr möglich sind.

Wie gesagt, der Film ist ganz sicher nicht schlecht. Aber Wildes Bühnenstück mit seinen spritzigen Dialogen, überzeichneten Figuren und überraschenden Wendungen ist um Meilen besser. Wenn man die Wahl hat beides zu sehen, sollte man sich definitiv für letzteres entscheiden.

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