Möwengelächter

Möwengelächter von Kristín Marja Baldursdóttir

Möwengelächter von Kristín Marja Baldursdóttir

Die Rückkehr der kapriziösen Freyja aus Amerika wirbelt die Welt eines kleinen isländischen Fischerdorfes gründlich durcheinander. Freyjas rote Lippen und ihre Figur, die einer Coca-Cola-Flasche gleicht, bringen das Gleichgewicht der meisten Dorfbewohner – männlich wie weiblich – erheblich ins Wanken. Auch die respektlose Agge ist ihrer fremden Tante gegenüber voreingenommen. Als dann ein Mord geschieht, sieht sie alle ihre Mutmaßungen bestätigt.

Wenn man den Klappentext so durchliest, dann wird man wohl davon ausgehen, daß „Möwengelächter“ ein Krimi ist. Dachte ich auch, und ich habe mich auf das Buch gefreut, weil ich diese nordischen Krimis einfach mag.

Tatsächlich ist „Möwengelächter“ aber genau wie Einar Kárasons „Törichter Männer Rat“ eine Mischung aus Familiensaga und Entwicklungsroman. Unerwartet, aber keinesfalls unerfreulich. Das Buch ist nämlich ziemlich gut!

Anders als in Kárasons Roman(en) wird hier allerdings (wohl durch die schlichte Tatsache bedingt, daß das Buch von einer Frau – Kristín Marja Baldursdóttir – geschrieben wurde) aus weiblicher Sicht erzählt. Genauer gesagt aus Sicht der Waise Agga, die in der Obhut ihrer Großmutter aufwächst, in deren Haus zudem noch die unverheirateten Tanten Aggas wohnen. Zu Beginn des Romans ist Agga erst elf Jahre alt, am Ende eine junge Frau. Faszinierend wie Baldursdóttir es schafft, konsequent aus Aggas Sicht zu erzählen, zunächst sehr kindlich, dann zunehmend komplexer und erwachsener.

Wie in vielen anderen Romanen von isländischen Autoren, versammelt auch „Möwengelächter“ eine ganze Reihe außergewöhnlicher und skurriler Charaktere, die oft mehr als einen Schritt in Richtung Geistesstörung gemacht haben. Agga ist dabei eine fast schon neutrale Beobachterin, denn wie viele Kinder wird sie oft ignoriert, und ist gleichzeitig herrlich neugierig. Schon allein zu beobachten, wie sie es schafft, Gespräche zu belauschen und Dinge herauszufinden, ist klasse, ihre naiv-verwunderten Kommentare dazu setzen dem Ganzen dann noch das Sahnehäubchen auf.

Natürlich ist „Möwengelächter“ vor allem ein „Frauenbuch“, und das nicht nur wegen der Sicht aus der erzählt wird. Alle wichtigen Protagonisten sind Frauen, und Männer kommen oft nur am Rande vor. Für mich besonders beeindruckend war deshalb das Ende des Romans (das ich aber nicht verraten möchte).

Sehr zu empfehlen!

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