Tintenblut

Tintenblut von Cornelia Funke

Tintenblut von Cornelia Funke

„Tintenblut“ ist nun also die lang erwartete Fortsetzung von „Tintenherz“. Noch immer ist Cornelia Funkes Sprache toll und sehr kreativ, allerdings kann die Geschichte längst nicht mit dem ersten Teil mithalten.

Der erste Band hatte ein wirklich innovatives Konzept, es stellte Leute vor, die Personen aus Büchern „heraus-“ und „hineinlesen“ können. Es war faszinierend zu beobachten, wie sich diese „Buchmenschen“, die in unserer Realität so völlig fremd waren, verhielten, wie sie mit unserer modernen Welt zurecht kamen. Auch die Methode, wie man sich in „Tintenherz“ der Bösewichte entledigte, indem man den Autoren die Geschichte einfach um- bzw. weiterschreiben ließ, dieses „die Feder ist mächtiger als das Schwert“, war ziemlich klasse.

Der zweite Band nun, der fast komplett in der „Tintenwelt“ spielt, krankt an denselben Fehlern, die viele Fortsetzungen haben: Die Motive und Lösungen aus dem ersten Band werden wieder und wieder verwendet, so lange bis sie ausgelutscht und einfach nur noch peinlich sind. Der Vater verwundet, der Prinz gestorben, die Eltern gefangen, alles kein Problem, schreiben wir einfach ein bißchen was, dann wird sich alles schon wieder richten. Daß das wie im Fall von Cosimo dem Schönen extrem schief geht, ist der Autorin hoch anzurechnen. Warum dann aber ihre Protagonisten immer und immer wieder den selben Fehler machen, das kann ich mir einfach nicht erklären.

Außerdem ist es schon ziemlich unangenehm, wie sehr die Autorin Motive aus anderen Geschichten klaut. Der Eichelhäher ist (natürlich) Robin Hood, der Freund der Heldin stirbt wie in vielen anderen Geschichten vorher (z.B. in der Merle-Trilogie von Kai Meyer, aber da war es wenigstens gut gemacht und schlüssig), ein Vater opfert sich für seinen Ziehsohn indem er einen Handel mit dem Tod macht. Dazu kommt, daß alle Charaktere, die hübsch oder talentiert oder beeindruckend sind, zu den Guten zählen, und alle Charaktere, die häßlich oder untalentiert oder nichtssagend sind, zu den Bösen zählen oder zumindest absolut nicht beachtet werden (darunter auch die für mich faszinierendste Figur in dem Buch: Violante). Klischee, Klischee, Klischee!

Und das Schlimmste an diesem Buch: Das Ende schreit so offensichtlich Fortsetzung, daß man weinen möchte. Noch so ein Machwerk? Bitte nicht! Wieso um alles in der Welt müssen die Leute immer Trilogien schreiben? Manchmal wäre ein in sich abgeschlossener Roman echt besser. „Tintenherz“ nämlich ist ein wirklich tolles Buch. „Tintenblut“ ist dagegen einfach nur überflüssig. Schade!

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