Quo vadis

Quo vadis von Henryk Sienkiewicz

Quo vadis von Henryk Sienkiewicz

Ich war völlig erstaunt, als ich gelesen habe, daß „Quo vadis“ von 1895 ist. 1895!!! Das hätte ich niemals gedacht! Klar, die Sprache ist ein wenig altmodisch, manchmal ziemlich pathetisch und Henryk Sienkiewicz deutlich pro-christlich (was sich moderne Autoren nur noch selten trauen). Trotzdem ist das Buch keinesfalls verstaubt.

Auch wenn jeder bestimmt schon einmal die berühmteste Verfilmung des Buches mit Peter Ustinov gesehen hat, hier eine kurze Zusammenfassung der Geschichte:

Der Patrizier Vinicius verliebt sich in die schöne Lygia und versucht durch Intrigen ihrer habhaft zu werden. Sie flieht vor ihm und taucht in den Untergrund ab, denn sie ist Christin und die lasterhafte römische Gesellschaft stößt sie ab. Vinicius sucht verzweifelt nach ihr und kommt durch sie mit dem christlichen Glauben in Berührung. Währenddessen langweilt sich Nero immer mehr, obwohl ihn sein Hofstaat aufs eifrigste umschwänzelt. Von seiner Verehrung für Homers Illias angestachelt klagt er immer lauter, weil er noch nie eine Stadt hat brennen sehen. Schließlich läßt er Rom anzünden. Weil er aber den Volkszorn fürchtet, redet man ihm ein, die Schuld auf die Christen zu schieben. Eine ungeheuer grausames Pogrom an der christlichen Gemeinde beginnt …

Damit komme ich aber noch längst nicht an die Komplexität dieses Werkes heran. Und tatsächlich ist es zunächst ein wenig schwer, in das Buch hineinzukommen, mit all seinen Schauplätzen und unzähligen (zum größten Teil historischen) Figuren. Hat man aber mit der Zeit begriffen, wer mit wem zusammenhängt und wen nicht ausstehen kann, dann geht Sienkiewicz auch schon richtig in die Vollen. Intrige, Kampf, Liebe, Wahnsinn, tiefer Glaube, Verrat, Freundschaft, inbrünstige Gebete, grausame Folter … „Quo vadis“ ist monumentaler als es jeder Monumentalfilm auch nur ansatzweise sein könnte. Wenn seine anderen Bücher auch nur ansatzweise so sind wie dieses, dann ist es wirklich kein Wunder, daß Sienkiewicz 1905 den Literaturnobelpreis „auf Grund seiner großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller“ erhalten hat. Was wenn nicht das ist episch?

Meine Lieblingsfigur ist übrigens der „arbiter elegantiae“ Petronius. Dieser elegante und wortgewandte Patrizier, der der Onkel Vinicius und zunächst ein enger Vertrauter Neros ist, hat es immer wieder in der Hand, die gesamte Handlung entscheidend zu wenden, Macht und Einfluß zu erlangen. Aber er tut es nicht, aus Trägheit und weil er sich lieber der Kunst, den schönen Dingen und der Liebe widmen will. Wie gut ich diese Haltung verstehen kann! Und das beste ist: sogar Petronius‘ Tod ist glorreich.

Ich kann „Quo vadis“ jedem empfehlen, der einmal einen wirklich guten historischen Roman lesen möchte. Aus heutiger Sicht ist die christliche Schwärmerei zwar etwas pathetisch und schwülstig, aber auch angenehm herzerwärmend. Der ideale Roman für kalte Winterabende.

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