Bekenntnisse

Bekenntnisse von Jean-Jacques Rousseau

Bekenntnisse von Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseaus „Bekenntnisse“ ist vielleicht die erste wirkliche Autobiographie, die überhaupt geschrieben wurde. Rousseau legt in seinen Erinnerungen sich selbst bloß, gibt sich der Welt preis mit all seinen Fehlern und Marotten. Dabei geht er streng mit sich ins Gericht, nennt sich oft einen Trottel oder Idioten und zeigt nicht nur seine Vergangenheit auf sondern kommentiert sie auch noch im Rückblick. Gerade diese rückblickende Bewertung der eigenen Handlungen macht dieses Buch sehr faszinierend.

Dabei sind die „Bekenntnisse“ keineswegs leicht zu lesen. Rousseaus Sprache ist (natürlich) altmodisch und oft spielt er noch dazu auf auf Ereignisse und Personen an, die zumindest mir nicht bekannt waren (und ich bin doch recht gut gebildet). Außerdem ist es sehr sehr schwer den Überblick über die vielen Personen zu behalten, die im Laufe der 900 Buchseiten erwähnt werden. Dankenswerterweise ist zwar am Ende ein Verzeichnis der bekannten Persönlichkeiten, die Rousseau in seinem Leben getroffen hat und in seinem Buch erwähnt. Aber das sind natürlich nicht alle Leute, die hier auftauchen. Gärtner, Diener, einfachste Menschen, auch die spielen eine Rolle (und werden von Rousseau genauso ernst und wichtig genommen wir die Prominenz).

Der erste Teil des Buches ist dabei noch deutlich leichter zu lesen, oder zumindest ist er mir leichter gefallen. Das lag sicherlich auch daran, daß hier wesentlich mehr „Action“ passiert als im zweiten Teil. Rousseau läuft von zuhause weg, beschreibt seine Irrungen als junger heißblütiger Mann (was bis zum Entblößen vor jungen Frauen geht), reist viel und benimmt sich generell ziemlich unkonventionell. Dieses Unkonventionelle wird er nie verlieren, stets wundert er sich über seine Mitmenschen, stets eckt er an, weil er kaum zwischen einfachem Volk und hohen Herren unterscheidet, stets sagt er schroff seine Meinung und steht treu zu seinen Prinzipien. Aber man merkt schon, daß er irgendwann einfach gesetzter und ruhiger wird.

Auch wenn Rousseaus „Bekenntnisse“ ziemlich schwere Kost sind, lohnt es, sie zu lesen. Es ist einfach faszinierend, einen so intimen Blick auf diesen berühmten Philosophen und seine Zeit zu werfen. Seit dieser Zeit sind keine 300 Jahre vergangen und doch sind unsere Verhaltensweisen und Moralvorstellungen erstaunlich verschieden. Welcher Mann würde sich heute noch krank ins Bett legen, weil ihm jemand das Herz gebrochen hat? Und welche Frau würde man heute für ein Vorbild an Treue halten, weil sie ihrem Geliebten (und nicht ihrem Ehemann!) absolut treu ist?

Das Entscheidende an diesem Buch aber (und ganz sicher der Grund warum ich es zuende gelesen habe), ist die Tatsache, daß man diesen schrägen Vogel Rousseau irgendwann so lieb gewinnt, daß man einfach wissen möchte, was ihm noch so alles zustößt. Also: Dranbleiben auch wenn es schwer fällt, es lohnt sich!

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