Der Mann, der den Zügen nachsah

Der Mann, der den Zügen nachsah von Georges Simenon

Der Mann, der den Zügen nachsah von Georges Simenon

Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr so, wie es war. Kees Popinga, der brave holländische Familienvater und Prokurist, verliert seinen Job. Seine Firma geht Pleite, der bewunderte Chef verschwindet mit der Firmenkasse. Für Popinga ist das nicht nur eine persönliche Enttäuschung, sondern auch eine finanzielle Katastrophe, da er an der Reederei beteiligt ist. Dazu kommt, daß die Umstände es nahelegen, er sei an dubiosen Machenschaften der Firma beteiligt. Popinga faßt einen Entschluß: Er nimmt den nächsten Zug nach Amsterdam und taucht ein in ein neues Leben. Wenn schon alles zusammenbricht, dann möchte er wenigstens einmal richtig frei sein, leben und lieben, wie es ihm gefällt. Für seinen Traum vom neuen Leben geht Popinga sogar über Leichen, und schon bald ist er auf der Flucht.

„Der Mann, der den Zügen nachsah“ ist einfach ein großartiges Buch. Georges Simenon ist ein überragender Schriftsteller, keine Frage. Vor allem leistet er in seinem Werk genau das, was Peter Handke in „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ auch versucht hat: Er zeigt dem Leser die faszinierende Innensicht eines zunehmend wahnsinnig werdenden Mannes. Aber Simenon schafft es, das auch noch spannend zu gestalten.

Denn anders als in dem (wieder einmal) ziemlich blöden und ungenauen Klappentext, trifft Kees Popinga nicht unbedingt bewußt all die Entscheidungen, die ihn schließlich zu einem gesuchten (Serien-)Mörder machen. Nein, das Handeln seines Chefs schockiert ihn so sehr, daß bei ihm „einige Schalter aussetzen“. Es ist fazinierend zu beobachten, wie er zunehmend seine Umgebung immer distanzierter und verzerrter wahrnimmt. Er beobachtet Menschen und ihre Handlungen, so wie andere Insekten beobachten, und bezieht gleichzeitig selbst harmloseste Gesten auf sich. Auch die Entwicklung Popingas, die immer steiler abwärts in die Geistesstörung führt, ist so exakt wie nachvollziehbar gezeichnet, daß man eigentlich nur noch den Hut ziehen kann.

Ein wirklich herausragendes Buch, unbedingt lesen!

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