Die Klagen von Henan

Die Klagen von Henan von Antonio Gómez Rufo

Die Klagen von Henan von Antonio Gómez Rufo

Wong Feng, Ackerbauer in der chinesischen Provinz Henan, hat nur einen Wunsch: einen Sohn. Die Geburtenregelung verbietet dem einfachen Mann jedoch ein drittes Kind. Zum ersten Mal in seinem Leben versucht Feng, sich des korrupten Staatsapparates zu bedienen. Ein ungeheurer Roman über den langsamen stetigen Fall des Herrn Feng, der dabei war, ein Mensch zu werden.

Ein spanischer Autor, der sich darin versucht aus der Sicht eines einfachen chinesischen Bauern zu erzählen? Ich war ein wenig kritisch, ob „Die Klagen von Henan“ auch nur ansatzweise gut sein kann. Und ich wurde angenehm überrascht: Das Buch ist klasse!

Antonio Gómez Rufo gelingt es mit erstaunlicher Empathie, tief in die Gedankenwelt seiner Charaktere einzutauchen. Wong Feng und seine Familie, sein Freund Sun Xao und die übrigen Bewohner des Dorfes sind so lebendig dargestellt, daß man oft meint, sie bildlich vor Augen zu haben. Außerdem sind seine Beschreibungen der landschaft ungeheuer poetisch. Ein wirklich wunderbar geschriebener Roman.

Und auch die Geschichte, die hier erzählt wird, ist großartig. Zunächst entwickelt sich alles nur langsam, fast als ob Rufo wie in einem Schachspiel seine Figuren erst auf dem Brett platzieren möchte. (Tatsächlich spielen Feng und Xao während sich die Handlung entwickelt immer wieder Schach gegeneinander.) Es sind subtile und kleine Dinge, die schließlich dazu führen, daß alles in der Katastrophe endet, politisch wie privat. Rufos Kunst ist es, daß man sich als Leser davon tief berührt fühlt.

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