Die Straße zum Bazar

Die Straße zum Bazar von Ruskin Bond

Die Straße zum Bazar von Ruskin Bond

Von „Die Straße zum Bazar“ hatte ich eigentlich arabisches Flair erwartet, tatsächlich aber spielt die Geschichte in Indien. Der junge Engländer Rusty findet nach der Begegnung mit einigen jungen Indern endlich die Kraft, seinem Vormund zu trotzdem und aus dessen Haus abzuhauen. Rustys Erlebnisse mit dem fröhlichen Sikh Somi, dem schüchternen Ringer Ranbir, dem unsympathischen, überall herumschnüffelnden Suri und dem frechen Kishen, erzählt Ruskin Bond in seinem Erstlingswerk.

Dabei gelingt es dem Autor ganz wunderbar die bittersüße Stimmung einzufangen, die den Bazar und das Leben um und im Bazar beherrscht. Freundschaft, Liebe und Feindschaft, all das bestimmt Rustys Leben. Gleichzeitig gibt er sich ganz dem trägen Müßiggang unter der heißen indischen Sonne oder der Schwüle des Monsuns hin, beobachtet, riecht, fühlt, lebt vielleicht das erste Mal in seinem Leben intensiv. Und all das geschrieben in einer schlichten und gleichzeitig hochpoetischen Sprache. (Ein großes Kompliment an den Übersetzer Johannes Piron an dieser Stelle!)

Der Regen verdichtete sich und fiel schneller. Eine Tür schlug, eine Dachrinne schwoll an, das rhythmische Stakkato-Hämmern des Regens auf dem Dacvh ließ nicht nach. Die Traufe gurgelte und prustete, der Vorhang flog ganz in die Höhe; die schlanken Bäume wankten und schwankten und neigten sich unter der Last von Wind und Wasser. Die Straße hatte sich in einen wilden Sturzbach verwandelt, den Kiesweg durchrieselten Bächlein. Der Monsun war eingetroffen!

Aber der Regen hörte ebenso unerwartet auf, wie er angefangen hatte.

Plötzlich erschlaffte er, verminderte sich zu einem leichten Schauer, vertröpfelte. Stille. Die Wassertropfen aus der Dachrinne klopften in die Traufe. Frösche quakten und hüpften im Matsch herum.

Die Straße zum Bazar vor der Restaurierung

Die Straße zum Bazar vor der Restaurierung

Mächtig brach die Sonne durch. Auf Blättern und Blüten glitzerte es wie Silber und Gold. Eine Katze kam aus einer trockenen Ecke des Gebäudes hervor und blinzelte verschlafen, ungeschoren und gleichgültig.

Wunderschön! Tatsächlich schafft es Bond so gut die Stimmung zu vermitteln, daß man beim Lesen selbst träge auf dem Sofa lümmelt, ein Lächeln auf den Lippen, und sich wünscht, zur nächsten Chaat-Bude schlendern zu können. (Und für alle Leser, die nicht wissen, was Chaat ist, findet sich am Ende des Buches dankenswerterweise ein kurzes Glossar.)

Besonders passend: Die neue Rückseite!

Besonders passend: Die neue Rückseite!

Als ich das Buch bekommen habe, sah es übrigens noch ganz anders aus, wie man am Bild oben rechts sehen kann.

So nackt konnte ich es natürlich nicht lassen, also habe ich das Bild eines indischen Marmor-Ornaments schwarz-weiß ausgedruckt und mir einige Bazar-Szenen herausgesucht, mit denen ich den Umschlag gestalten konnte. Vor allem die auf der Rückseite des Buches passen ganz toll zur Handlung, denn Somi und Rusty stoßen auf dem Bazar zusammen, weil Somi mit dem Fahrrad einer Kuh ausweichen muß, und anschließend gehen sie natürlich in der Chaat-Bude etwas essen.

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