Mutmaßungen über Jakob

Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson

Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson

Wer war dieser Jakob Abs? An einem nebligen Morgen im November wird der Achtundzwanzigjährige, der bei der Reichsbahn arbeitet, auf dem Gelände des Dresdner Bahnhofs von einer Lokomotive überfahren. Damit beginnen die kunstvoll formulieren Mutmaßungen des Erzählers: War es ein Unfall? Beging er Selbstmord? Und wenn ja: Was mag ihn dazu getrieben haben? Oder war es gar ein politischer Mord? Aber aus welchen Motiven? In einer Reihe von Gesprächsfetzen, in denen sich jene Personen zu Wort melden, die dem Protagonisten am nächsten standen, entsteht nach und nach das Bild des verläßlichen und schweigsamen Jakobs. Da sind seine Mutter und seine Freundin Gesine, die in den Westen geflohen sind, da ist aber auch Hauptmann Rohlfs von der Spionageabwehr der DDR. Es stellt sich heraus, daß der Hauptmann Jakob sogar in den Westen fahren ließ. Doch der kam zurück, enttäuscht vom Leben in der BRD. Sein neues Leben in der DDR jedoch dauerte nur einen einzigen Tag.

„Mutmaßungen über Jakob“ (1959) war der erste Roman von Uwe Johnson, der in der DDR nicht erscheinen durfte. Er wurde zeitgleich zu seinem „Umzug“ nach Westberlin veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte eines Unpolitischen, der in politisch aufgewühlten Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommt.

Selbst nach einigem Nachdenken weiß ich nicht so recht, was ich von diesem Buch halten soll.

Es ist sicher ein interessantes literarisches Experiment. Fragmentarisch und ohne immer genau festzulegen aus welcher Perspektive gerade gesprochen wird, wird hier das Leben des Jakob Abs beleuchtet. Da gibt es Erinnerungen, Gesprächsfetzen, Briefe, Szenen aus wechselnden Sichten … und zum Schluß weiß man immer noch nicht, warum Jakob jetzt gestorben ist.

Interessant, ja. Aber auch unendlich träge. „Mutmaßungen über Jakob“ kommt in einem behäbigen Erzähltempo daher. Die Geschichte entwickelt sich, ohne so recht zu wissen, auf welches Ziel sie zusteuert. Sie ist so bedächtig und … ja, langweilig, wie die Figur des Jakob Abs selbst.

Ich denke nicht, daß ich das Buch noch einmal lesen werde, vor allem nicht, weil mir eine der Hauptfiguren auf Anhieb nicht nur unsympathisch sondern regelrecht verhaßt war. Wie Uwe Johnson über diese Gesine Cresspahl vier ganze Bücher schreiben konnte, ist mir absolut unbegreiflich. Die einzig wirklich sympathische Figur in meinen Augen ist (witzigerweise) Hauptmann Rohlfs. Und darüber sollte man bei Gelegenheit vielleicht einmal nachdenken.

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