Siesta mit Blanca

Siesta mit Blanca von Antonio Muñoz Molina

Siesta mit Blanca von Antonio Muñoz Molina

Mario, geradlinig, einfach, Beamter in der andalusischen Stadt Jaén, vergöttert Blanca, den schwankenden Schmetterling, Tochter aus gutem Hause, künstlerisch begabt und intelligent. Für den Einzelgänger und die Femme fatale scheint die Ehe ein Fluchtpunkt, eine eigenwillige Idylle aus zerbrechlichen Gefühlen und unergründlicher Leidenschaft. Doch Lluis, Künstler mit Ambition und männlicher Ausstrahlung, bringt die feine Balance in Gefahr. Blanca hilft ihm bei der Vorbereitung einer Ausstellung, und Mario ahnt Verrat. Als er eines Tages zu spät zur Siesta nach Hause kommt, ist Blanca verschwunden. Und so füllt Mario die Leere in Haus und Herz, indem er sich Blanca neu erfindet – ein feines Gedankenspiel zwischen Schmerz, Sehnsucht und Hoffnung, das die Vermißte näher bringt, als sie ihm jemals war …

Der Klappentext zu „Siesta mit Blanca“ erfaßt wieder einmal nur rudimentär das Buch, so daß ich mich echt fragen muß, ob der Schreiberling, der ihn verbrochen hat, das Buch überhaupt gelesen hat oder nur eine Rezension davon. Denn sicher, man kann den Roman auf diese Art und Weise interpretieren. Man muß aber nicht.

Antonio Munoz Molina gelingt mit diesem Buch die Schilderung einer überwältigend großen Liebe. Mario liebt seine Blanca so sehr, daß er sie idealisiert, mehr auf ihre Stimme und ihren Tonfall achtet als auf ihre eigentlichen Worte, sie auf ein Podest stellt und gleichsam von ferne bewundert. Oft hat man den Eindruck, daß er gar nicht Blanca selbst liebt sondern das Bild, das er sich von ihr gemacht hat.

Denn in dem Moment, da sie ihn verläßt (oder versucht ihn zu verlassen), realisiert er, in welchen Traumwelten er geschwebt hat. Und seine Liebe verändert sich oder er verändert sich. So ist es zum Schluß nicht ganz klar, ob Blanca zu ihm zurückkommt oder ob er sie sich zurückphantasiert. Für ihn aber steht fest: Die Frau, die da jetzt bei ihm lebt (ob tatsächlich oder eingebildet), ist nicht „seine“ Blanca.

Es ist wirklich erstaunlich, welche Kraft Munoz Molina in diesen etwas über 100 Seiten entwickelt. Die schlichten und doch beeindruckenden Bilder für Marios Liebe … ungeheuer großartig zu lesen! Das ist definitiv ein Autor, den ich auf meine Leseliste setzen werde.

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