Beim Häuten der Zwiebeln

Beim Häuten der Zwiebeln von Günter Grass

Beim Häuten der Zwiebeln von Günter Grass

Nach all dem Medienhype in den letzten Wochen mußte ich als alter Grass-Fan doch auch „Beim Häuten der Zwiebel“, die neu erschienene Autobiographie von Günter Grass, lesen. Und natürlich merkt man gleich auf den ersten Seiten, warum Grass einen Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Der Mann schreibt einfach gut!

Neben all den wirklich interessanten Lebenerinnerungen aus der Zeit vor, während und nach dem 2. Weltkrieg, die ja schon in den Feuilletons hinreichend besprochen wurden, ragen für mich vor allem zwei Dinge aus dem Text heraus:

Zum einen ist das die Tatsache, daß Grass eigentlich weniger seinen Werdegang und sein Leben als Schriftsteller schildert, sondern mehr sein Leben als bildender Künstler. Immer erlebt man ihn zeichnend oder bildhauend und seine visuelle künstlerische Wahrnehmung der Welt fließt oft in die Darstellung ein. Amüsant auch und vor allem seine Schilderungen des Betriebs an den verschiedenen Kunsthochschulen. So sind dann passenderweise die wunderschönen Zwiebel-illustrationen des Buches aus Grass‘ Feder.

Zum anderen erwähnt er immer wieder bei den verschiedensten Leuten, denen er in seinem Leben begegnet ist, wie und in welchem seiner Bücher er sie wieder auftauchen läßt. Schön wie er dabei kommentiert, wie es zu manchen Änderungen der Darstellung gekommen ist, und auch, ob die dargestellten Personen diese Behandlung verdient haben. So gibt er einen interessanten Einblick in das künstlerische Schaffen eines Schriftstellers.

Noch eins … so offen und derb Grass in seinen Büchern (auch in diesem) mit Sexualität und Erotik umgeht, so angenehm ist es zu sehen, wie dezent und diskret er in dieser Beziehung mit seiner ersten Frau Anna umgeht. Kompliment, Herr Grass!

Etwas schade fand ich, daß Grass seine Erinnerungen kurz nach Erscheinen der „Blechtrommel“ beendet, weil er keine Zeit und Lust mehr hatte, und weil (seiner Meinung nach) nach dieser Zeit sein Leben ausreichend dokumentiert sei. Sicher ist es das. Aber seine persönlichen Gedanken und Gefühle zu vielen Ereignissen, seine Erlebnisse der Dinge, die hätte mich auch weiterhin interessiert.

Alles in allem ein wirklich gutes und lesenswertes Buch. Und ein Buch, das uns eines einmal wieder in aller Deutlichkeit vor Augen geführt hat, daß die Wahrheit nicht so einfach ist, wie wir sie uns wünschen.

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