Tod einer roten Heldin

Tod einer roten Heldin von Qiu Xiaolong

Tod einer roten Heldin von Qiu Xiaolong

Nachdem mir schon der zweite Band über Oberinspektor Chen, „Die Frau mit dem roten Herzen“, so gut gefallen hat, war ich natürlich umso gespannter, nun endlich auch das erste Buch der Krimireihe in Händen zu halten. Und wieder wurde ich nicht enttäuscht!

Zwar ist der Fall, den es aufzuklären gilt, längst nicht so spannend wie der im zweiten Band. Eigentlich weiß man als Leser recht bald, wer der Schuldige ist (genau wie die Polizisten). Alles ist ein wenig gradliniger, ein wenig direkter, zumindest was die kriminologische Arbeit betrifft. An dieser Stelle merkt man deutlich, wie sehr Qiu Xiaolong sich von seinem ersten zu seinem zweiten Buch hin steigert. (In Kenntnis des zweiten Bandes ist es übrigens sehr interessant, nun im ersten zu erfahren, wie die Beziehungen der Protagonisten zueinander begonnen und sich entwickelt haben.)

Aber das Eigentliche dieser Bücher liegt nicht bei den Kriminalfällen, zumindest meiner Meinung nach. Viel mehr ist auch „Tod einer roten Heldin“ eine wunderbar genau gezeichnete Studie des chinesischen Lebens. Konkret wird hier die Lebensumstände nur kurze Zeit nach dem Massker auf dem Platz des Himmlischen Friedens geschildert. Chinas hat sich der Marktwirtschaft geöffnet, die Gesellschaft ändert sich, alte Chargen versuchen diesen Wandel zu blockieren, zu intrigieren oder sich zu arrangieren, die einfachen Leute schlagen sich durch und hoffen das Beste (wie immer). Für mich ist diese direkte Schilderung der Lebensrealität im modernen China ein ganz großes Plus dieser Bücher. Da Qiu Xiaolong dazu auch noch mit dem durchweg sympathischen Chen und seinem patenten Assistenten Yu zwei großartige Hauptfiguren geschaffen hat, werde ich mir ganz sicher auch den dritten Band „Schwarz auf Rot“ zu Gemüte führen.

Was mir bei „Tod einer roten Heldin“ noch mehr als im zweiten Buch aufgefallen ist, war das „klassisch chinesische“ Verhalten der Protagonisten, obwohl die Geschichte ja in der Moderne spielt. Nicht von ungefähr wird immer wieder im Text aus klassischen Werken chinesischer Literatur zitiert. Ich freue mich schon darauf, „Die Frau mit dem roten Herzen“ noch ein zweites Mal zu lesen und diesmal mehr auf diesen Aspekt zu achten.

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