Das kurze Leben

Das kurze Leben von Juan Carlos Onetti

Das kurze Leben von Juan Carlos Onetti

Das also ist Juan Carlos Onettis wichtigster Roman. Hm. Ganz ehrlich, mich hat „Das kurze Leben“ nicht vom Hocker gerissen. Aber schauen wir doch erst einmal, worum es geht:

Juan Maria Brausen steckt in einer tiefen Krise. Mit vierzig Jahren scheint das Leben für ihn keine Überraschungen mehr parat zu haben: „Mittlerweile bin ich dieser kleine, schüchterne, unveränderliche Mann, verheiratet mit der einzigen Frau, die mich verführt hat, außerstande, (…) die Willenskraft zu haben, ein anderer zu sein.“ Brausen hat sein frustrierendes Leben satt. Er möchte ausbrechen. Nur wie? Beim Schreiben eines Drehbuchs erfindet er eine neue Existenz, einen Doppelgänger. Er beginnt, dessen Leben zu führen. Es ist das Gegenteil seiner bislang so bürgerlichen Existenz, ein Leben voller Prostituierten, Kriminalität und Drogen, aber auch voller Liebe und Begehren.

„Das kurze Leben“ (1950) ist Onettis wichtigster Roman. Die fiktive Stadt Santa María, die er darin erstehen läßt, wird zum Hintergrund mehrerer späterer Romane. Der Text gilt als Wegbereiter und Vorläufer des modernen lateinamerikanischen Romans, wie man ihn später etwa bei Gabriel García Márquez oder Mario Vargas Llosa findet. Er erzählt mit viel Raffinesse die Geschichte eines Mannes, der aus seinem Leben ausbricht und sich neu erfindet.

Ja, sicher, das Spiel mit den Realitäten, das Onetti hier betreibt, ist nicht uninteressant. Das eigentliche Leben von Juan Maria Brausen tritt immer mehr in den Hintergrund, das erträumte Leben immer mehr in den Vordergrund, bis schließlich nicht mehr klar ist, was wahr und was erträumt ist bzw. der Traum so real wie das Leben geworden ist.

Es mag an Onettis Schreibstil liegen, daß ich trotzdem nicht warm geworden bin mit diesem Buch, auch wenn ich jetzt nicht den Finger darauf legen könnte, was genau an seinem Stil ich nicht mag. Und „nicht mögen“ ist vielleicht auch ein zu starker Ausdruck. Das Buch hat es schlicht nicht geschafft, mich zu berühren, das ist wahrscheinlich auch schon alles.

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