Das Hotel New Hampshire

Das Hotel New Hampshire von John Irving

Das Hotel New Hampshire von John Irving

John Irving ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller. Seine Bücher sind großartig, genial und von der ersten bis zur letzten Seite (und Seiten haben sie alle viele!) extrem unterhaltsam. So fesselnd und überwältigend sind diese Bücher, daß ich hier als erstes eine Warnung aussprechen muß: Es kann sein, daß man einen Irving nicht mehr aus der Hand legen kann, daß man ganze Nächte durchlesen muß oder sogar vergißt aus dem Zug auszusteigen!

„Das Hotel New Hampshire“ von Irving ist für mich besonders vergnüglich, weil ich relativ oft in Hotels wohne und deshalb allein schon das Thema faszinierend finde:

Die amerikanische Ostküste 1939. Mary Bates und Win Berry haben gerade die Highschool hinter sich und jobben im Hotel Arbuthnot-by-the-Sea. Sie sind begeistert von der Geschäftigkeit des Hotels und der Weltläufigkeit der Gäste. Da ist der weitgereiste jüdische Schausteller Freud mit seinem Tanzbären Earl, der nur einer der vielen faszinierenden Besucher ist. Und auch der kultivierte Hotelbesitzer Arbuthnot macht in seinem tadellosen weißen Jacket großen Eindruck auf die Jugendlichen vom Land. In ihrer jugendlichen Unbekümmertheit beschließen sie, ein eigenes Hotel zu eröffnen. Freud, der nach Österreich zurückkehrt, überläßt den beiden Träumern seinen Tanzbär als Glücksbringer. Doch es kommt anders als geplant. Immer wieder stehen die beiden neuen Hindernissen gegenüber. Selbst ein Versuch, in Österreich als Hoteliers Fuß zu fassen, steht unter keinem guten Stern. Schließlich kommen sie doch noch zu Geld und Wohlstand, allerdings auf ganz anderen Wegen.

Irvings „Hotel Newhampshire“ (1981) ist ein absurder, komischer und manchmal melancholischer Familienroman, der vom großen amerikanischen Traum und seinem Scheitern erzählt und von Menschen, die trotz allem auf das Träumen nicht verzichten wollen.

Wobei in „Das Hotel New Hampshire“ die Gäste der verschiedenen Hotels zunächst eine eher untergeordnete Rolle spielen. Erzählt wird die Geschichte der Familie Berry, die trotz ihres teilweise sehr schweren Schicksals niemals den Mut verliert und immer weiter kämpft. Und es sind wirklich einige harte Schläge, die die Berrys aushalten müssen. Eine ihrer Töchter ist kleinwüchsig, die zweite Tochter wird als junges Mädchen von drei Männern vergewaltigt, und als die Familie nach Österreich umzieht, kommen die Mutter und der jüngste Sohn bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Dabei ist es Irvings meisterhafter Erzählkunst zu verdanken, daß die Geschichte niemals ins Melodram abgleitet. Im Gegenteil, die komischen und skurrilen Stellen überwiegen bei weitem. Es ist mir als Leser sehr angenehm, daß Irving Kitsch in jeglicher Form völlig fremd zu sein scheint. Seine Sprache ist trocken und kaum ausschweifend. Er nimmt seine Figuren ernst, und selbst wenn sie völlig schräg sind und außerhalb jeder Norm stehen, werden sie doch niemals albern. Tatsächlich schafft er es irgendwie, selbst die seltsamsten Typen irgendwann völlig normal erscheinen zu lassen. (Und sie sind es ja auch irgendwie, es sind eben Menschen.)

Für mich der schönste und spannendste Teil des Buches ist die Zeit in Wien. Hier endlich werden die Gäste des Hotels (Nutten und Linksrevolutionäre) zum Bestandteil der Handlung. Vielleicht aber ist es auch die Tatsache, daß die vier überlebenden Kinder der Berrys nun erwachsen werden und mehr miteinander und ihrer Umgebung interagieren. Man liebt sie, jeden einzelnen von ihnen. Und so ist es mehr als nur schade, wenn das Buch nach 572 Seiten dann doch zu Ende geht. Ich hätte gerne noch viel weiter gelesen!

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