Engelsblut

Engelsblut von Julia Kröhn

Engelsblut von Julia Kröhn

Eigentlich mag ich historische Romane nicht. Bei „Engelsblut“ hat mich aber der Klappentext angesprochen:

Österreich im 19. Jahrhundert: Die Bilder des Samuel Alt versetzen die Menschen in Schrecken und Zorn – offenbaren sie doch die ungeschminkte Wahrheit über denjenigen, der sich hat portraitieren lassen. Also meidet Samuel Alt die Menschen. Seine Sehnsucht ist es, reine und wunderbare Engelbilder zu schaffen. Aber der Preis dafür ist höher, als er sich hätte träumen lassen.

Das liegt vor allem daran, weil ich eine Schwäche für mißverstandene und/oder geniale Künstler habe. Der Künstler in „Engelsblut“ ist nicht nur all das sondern auch noch geistesgestört. Und diese Störung ist ausgezeichnet dargestellt, Samuels Werdegang ist absolut glaubwürdig beschrieben.

Dabei wählt Julia Kröhn selten Samuels Erzählperspektive. Wahrscheinlich wäre es auch schwer, seine Perspektive ständig durchzuhalten, ohne aus der Rolle zu fallen oder uninteressant zu werden. Stattdessen wird aus der Sicht von Samuels Weggefährten erzählt: Lena und Andreas, die beide Samuel lieben und begehren, Grothusen, der Kunsthändler, der Samuel berühmt macht, und der junge Kunstkritiker, der der gealterten Lena die Lebensgeschichte Samuels und dessen letztes Kunstwerk zu entlocken versucht.

Während der Beginn des Romans noch ein wenig behäbig daher kommt, entwickelt sich sobald Samuel, Lena und Andreas die Heimat verlassen und zusammen durch die Welt ziehen eine spannende Dynamik. Die (zwangsläufig) ziemlich gestörten Beziehungen zwischen den Protagonisten und schließlich mit Grothusens Hilfe die Bildung eines regelrechten Kultes um Samuel sind so faszinierend wie bedrückend geschildert. Auch das so nicht erwartete Ende Buchs hat mir gut gefallen. Es war irgendwie … passend.

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