Der Verbrecher aus verlorener Ehre

Der Verbrecher aus verlorener Ehre von Friedrich Schiller

Der Verbrecher aus verlorener Ehre von Friedrich Schiller

Ich liebe die Hörbücher des HörGut Verlags. Dort hat man sich zur Aufgabe gemacht, Klassiker als Hörbücher zu produzieren, die nicht nur von professionellen Sprechern gesprochen werden, sondern allesamt auch noch sehr günstig sind.

Friedrich Schillers Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ ist das vierte Hörbuch, das in der Reihe HörGut Klassik erschienen ist, und ohne Zweifel eines der besten der Reihe. Das liegt zum einen am Sprecher Stephan Schwartz, der neben seiner Arbeit als Theaterschauspieler auch noch Hollywood-Größen wie Tom Cruise, Andy Garcia, Adrien Brody und Joseph Fiennes die Stimme leiht. Vor allem aber liegt es natürlich an Schillers Stoff, der uns (wie viele seiner Werke) immer wieder ungewöhnlich modern erscheint.

Worum aber geht es?

Amazon verrät uns:
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Christian Wolf, Sohn eines Gastwirts, der in einer kleinen Stadt aufgewachsen und auf die schiefe Bahn gekommen ist. Er versucht sich ein besseres Schicksal zu ertrotzen. Für kleinere Diebstähle wird er hart bestraft und verfängt sich zunehmend im Netz von Rache, Verbrechen und Strafe. Drei Jahre Festungshaft fördern seine Rachgelüste noch um ein Vielfaches. Als er entlassen wird, erschießt er einen Jäger, flüchtet und begeht weitere Verbrechen als Anführer einer Räuberbande. Als sich sein Gewissen regt, bittet Christian in einem Brief an seinen Landesherrn um Gnade, er wolle seinem Vaterland als Soldat nützlich werden und im Rahmen der Gesetze leben. Auf seinen Brief erhält er keine Antwort. Als er vor seiner Bande flieht, wird er durch einen Zufall ergriffen und gibt seine Identität preis. Hier endet die Erzählung.

Schiller aber moralisiert hier nicht. Er legt den Werdegang des Verbrechers dar, ohne ihn zu verurteilen. Er zeigt dessen Schwächen und körperliche Benachteiligungen auf und eröffnet dem Leser so nach und nach einen tiefen Einblick in den Charakter seines Protagonisten. Ja, am Ende empfindet man sogar Mitleid mit Christian Wolf, der trotz all der Jahre als Verbrecher immer noch ein Gewissen hat, immer noch nach Besserung strebt. Mit seinem Versuch, die Triebe und Kräfte zu erklären, die in seinem Protagonisten wohnen, fertigt Schiller eine psychologische Studie des Mannes, dessen Schicksal im übrigen nach einer wahren Begebenheit von ihm rekonstruiert wurde.

Und ist es nicht immer wieder und immer noch drängend aktuell, zu fragen, wie und warum jemand zum Verbrecher wird? Wird ein Mensch böse geboren? Gibt es eine Veranlagung zum üblen Tun? Oder ist es die Gesellschaft, die Menschen auf die schiefe Bahn bringt? Schiller gibt uns seine Antwort ohne zu verurteilen, aber auch ohne den Verbrecher zum Helden zu stilisieren.

Daß diese moderne Haltung des Autors verstanden werden kann, ist auch Verdienst des Sprechers. Seine sonore Stimme, seine klare Sprechweise und punktgenaue Betonung hilft sehr über einige recht altmodische Ausdrücke und Redewendungen hinweg, die vielleicht die Lektüre des Buches verleidet hätten.

Das Hörbuch kommt in einem schlichten Pappschuber daher, der farblich sehr geschmackvoll gestaltet ist und sowohl ein Bild Friedrich Schillers als ein Bild des Sprechers Stephan Schwartz zeigt. Neben dem eigentlichen Text befinden sich auf der CD noch ein kurzer Lebenslauf Schillers sowie das gesamte Buch als PDF mit zahlreichen Erklärungen zu Begriffen, die im heutigen Sprachgebraucht nicht mehr gängig sind. Ein sehr schöner Service, vor allem zu diesem niedrigen Preis!

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