Der Untergeher

Der Untergeher von Thomas Bernhard

Der Untergeher von Thomas Bernhard

Drei Pianisten, eine Leidenschaft. Alle wollen sie „nur das Höchste“ als wahre Kunst gelten lassen, alle stellen sie größte Ansprüche an sich selbst. Doch nur einem ist der Durchbruch vergönnt. Als der Pianist Wertheim den hinter geschlossenen Türen probenden Rivalen Glenn Gould hört, ist er als Künstler „tödlich“ getroffen, weiß er doch, daß er dessen Genialität nie wird erreichen können. Doch auch der Erzähler kapituliert, verschenkt seinen Steinway-Flügel und entschließt sich, „Weltanschauungskünstler“ zu werden. Beide, der Erzähler wie sein Gegenspieler Wertheim, sind sich einig, daß Goulds Genialität einzigartig ist. Der perfektioniert sein Spiel Tag für Tag, doch zieht er sich dabei immer weiter in die Einsamkeit zurück, bis er mit 51 Jahren – so der Erzähler – plötzlich „tot umfällt am Klavier“. Der Tod des Pianisten läßt die beiden Rivalen von einst nicht unberührt. Es kommt zu drastischen Reaktionen, nach denen nichts mehr so ist, wie es vorher war.

Bernhards Roman vom Klavierspieler Glenn Gould ist ein faszinierendes literarisches Spiel, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Es ist eine virtuos erzählte Geschichte vom Virtuosen, der sich immer tiefer in die Einsamkeit spielt.

Das spannendste an „Der Untergeher“ von Thomas Bernhard ist leider auch schon der Klappentext. In diesem Buch passiert nichts, absolut nichts außer daß der Erzähler in eine schmuddelige Pension eincheckt, zu Abend ißt und zum Hause Wertheims läuft. Nichts dagegen zu sagen eigentlich, es gibt viele gute Romane, die pure Introspektive sind. „Der Untergeher“ aber quält durch seine furchtbare Erzählweise.

Sicher, einige von Bernhards Sätzen sind brilliant. Wenn er über Österreich und die Österreicher schimpft und wettert, über die Städte, die Universitäten und ihren Verblödungsbetrieb, dann muß man durchaus schmunzeln. Leider sind diese Perlen tief vergraben in absatzlosen Seiten, die gefüllt sind mit Sätzen wie:

…daß er schließlich, wie er selbst immer wieder gesagt hat, in die Geisteswissenschaften geflüchtet ist, ohne zu wissen, was diese Geisteswissenschaften sind, dachte ich. Daß er einerseits seine Möglichkeiten überschätzt, andererseits unterschätzt hat, dachte ich. Daß er auch von mir immer mehr gefordert hat, als er mir gegeben hat, dachte ich. Daß er seine Ansprüche an mich, wie an andere auch, immer zu hoch angesetzt hat und diese Ansprüche niemals erfüllt werden konnten und er dadurch immer unglücklich zu sein hatte, dachte ich.

Irgendwann war ich so weit, bei jedem „dachte ich“ mit den Zähnen zu knirschen.

Die Steigerung des Ganzen sind übrigens ganze Passagen, die mit „… sagte er, dachte ich. … , dachte ich. … sagte er, dachte ich.“ gefüllt sind. Absolut unerträglich!

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