Die Frau mit dem roten Herzen

Die Frau mit dem roten Herzen von Qiu Xiaolong

Die Frau mit dem roten Herzen von Qiu Xiaolong

In letzter Zeit lese ich fast nur noch Bücher aus und über Asien. Komischer Zufall irgendwie. So ist auch „Die Frau mit dem roten Herzen“ wieder ein Buch, das im asiatischen Raum spielt, genauer gesagt, im China der Neuzeit. Es ist Qiu Xiaolongs zweiter Krimi um Oberinspektor Chen, man kann das Buch aber auch gut lesen ohne den ersten Teil zu kennen. Ich zumindest hatte keine Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden. Worum aber geht es?

Ein Unbekannter liegt brutal erstochen im Bund-Park, und eine schwangere Frau ist spurlos verschwunden: Oberinspektor Chen von der Shanghaier Sonderkommission hat alle Hände voll zu tun, da paßt es ihm gar nicht, daß er einer Kollegin aus den USA China von seiner besten Seite zeigen soll. Unter den scharfen Augen von Parteisekretär Li fahndet er zusammen mit der attraktiven Amerikanerin nach der Vermißten, doch die Triaden sind ihnen dicht auf den Fersen …

Qiu Xiaolong zeichnet in seinem Buch ein außerordentlich lebendiges Bild des modernen China. Dabei beschönt er nichts. Der Autor, der mittlerweile in den USA lebt, zeigt uns China mit all seinen negativen Seiten, und trotzdem spürt man immer die tiefe Liebe, die ihn mit seiner Heimat verbindet. Sein Blick auf China ist ehrlich aber nicht bloßstellend.

Einige Dinge sind mir, neben den sehr poetischen Schilderungen der Umgebung und des Essens, besonders positiv aufgefallen. Zum einen die schlichte Tatsache, daß hier endlich einmal asiatische Namen richtig geschrieben sind, nämlich als erstes der Nach- und dann erst der Vornamen. Zum zweiten die Art, wie Chen ermittelt. Er zieht alle seine Kontakte, läßt Beziehungen spielen, scheut vor Bestechung nicht zurück und aktiviert sogar den pensionierten Vater seines Assistenten für verdeckte Ermittlungen. Es macht einfach Spaß, zuzusehen, wie nach und nach die Informationen zusammenlaufen. Der dritte Punkt, der mir besonders positiv aufgefallen ist, ist Qiu Xiaolongs Umgang mit Klischees. Ja, die amerikanische Polizistin ist sehr schön und ja, Chen findet sich zu ihr hingezogen und sie sich zu ihm. Aber es passiert nichts, wenn man einmal davon absieht, daß er ihr Gedichte zitiert. Überhaupt werden die Beziehungen der Figuren untereinander angenehm dezent und subtil gezeichnet.

Vor allem aber muß man bei „Die Frau mit dem roten Herzen“ höllisch aufpassen, wenn man eine Chance haben möchte, der Lösung nahe zu kommen. Einige der Hinweise sind mir aufgefallen (die Sache mit dem Dialekt zum Beispiel) andere habe ich völlig übersehen (das Grab des Sohnes) oder absolut fehl gedeutet. Und schlußendlich gefällt mir an dem Buch, daß es nicht unbedingt gut ausgeht. Sicher, die Fälle sind gelöst, aber damit hören die Probleme nicht auf. Es ist angenehm, das in solcher Deutlichkeit in einem Krimi dargestellt zu finden.

Ich freue mich auf alle Fälle schon auf den ersten Krimi von Qiu Xiaolong, für den ich mich (wie bei diesem auch) bei BookCrossing in einen BookRing eingetragen habe. Und ich habe es natürlich nicht versäumt, die beiden Bücher gleich auf meinen Amazon-Wunschzettel für Weihnachten zu packen. Dabei habe ich mit Freuden festgestellt, daß ein dritter Band der Reihe schon in Planung ist!

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