Katz und Maus

Katz und Maus von Günter Grass

Katz und Maus von Günter Grass

Danzig im Zweiten Weltkrieg. Pilenz plagen Gewissensbisse. Es war nicht richtig, was er mit seinem Schulkameraden Joachim Mahlke gemacht hat. Dem wuchs in der Pubertät ein riesiger Adamsapfel, ein wie eine Maus zuckender Knorpel. Einer plötzlichen Eingebung folgend, setzte Pilenz eine umherstreifende Katze auf diese „Maus“ und gab Mahlke damit der Lächerlichkeit preis. Pilenz fühlt sich schuldig und beginnt, quasi als Geste der Widergutmachung, die Lebensgeschichte des Außenseiters nachzuerzählen. Dabei berichtet er von Mahlkes geradezu grotesken Versuchen, seinen Makel zu verbergen. In seiner Verzweiflung behängt dieser den Adamsapfel mit einem Schraubenzieher, mit einem Orden und anderen Dingen. Auf seiner Suche nach Anerkennung vollführt er die schwierigsten Turnübungen und bricht Tauchrekorde. Trotz allen Beifalls: Er bleibt ein Einsamer. Doch dann findet er in einem gestrandeten Minensuchboot ein persönliches Refugium, einen intimen Ort des Rückzugs.

„Katz und Maus“ ist der zweite Teil von Günter Grass‘ Danziger Trilogie, zu der die beiden Romane „Die Blechtrommel“ und „Hundejahre“ gehören. In ihr setzt sich Grass mit dem Zweiten Weltkrieg und seiner Heimatstadt Danzig auf literarisch anspruchsvolle, aber auch überaus unterhaltsame Art auseinander.

Genau wie Alfred Matzerath aus der „Blechtrommel“ ist auch Joachim Mahlke ein Außenseiter, grotesk und das auch körperlich. Vor allem aber ist er, vielleicht durch den Spott, den er oft ertragen mußte, erwachsener als seine Spielgefährten, und trotz der späteren Bewunderung, die sie für ihn empfinden, bleibt er vollkommen und absolut anders.

Mehr noch als von Mahlke handelt das Buch, meiner Meinung nach, von dessen Schatten Pilenz. Erst wegen seiner Gewissensbisse, später aber von einer unerklärbaren Faszination getrieben, spürt er Mahlke nach. Und selbst Jahrzehnte später läßt ihn sein Kamerad aus Jugendtagen noch nicht los.

Das Buch wäre kein Grass, wenn es nicht auch herrlich derb wäre. Wer es nicht ertragen kann, von jugendlichem Gruppenwichsen oder von Fäkalien zu lesen, wer eine direkte und teilweise krasse Sprache nicht ab kann, der sollte von Grass die Finger lassen. Definitiv! Alle anderen sollten ihn lesen, unbedingt!

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