Der Name der Rose

Der Name der Rose von Umberto Eco

Der Name der Rose von Umberto Eco

„Der Name der Rose“ von Umberto Eco ist vermutlich das Buch, das am meisten Enttäuschung bei den Lesern hervorruft. Warum? Schauen wir uns dazu den Klappentext an:

Ein italienisches Benediktinerkloster im Mittelalter. Der Franziskaner William von Baskerville und sein Novize Adson aus Melk sind in diplomatischer Mission unterwegs. Kaum daß sie im Kloster angekommen sind, geschieht ein Mord. Doch er bleibt nicht der einzige, eine ganze Mordserie folgt. Der erfahrene William wird beauftragt, sie aufzuklären. Er macht sich auf die Suche nach Spuren. Dabei stößt er auf eine mysteriöse Bibliothek und den greisen Jorge de Burgos, den rätselhaften Herrn der Bücher. Was hat er mit den Morden zu tun? Und was ist das für ein einzigartiges Buch, das er so eifersüchtig bewacht, als habe es geradezu magische Kräfte?

Ecos raffinierter Roman war ein weltweiter Erfolg, der durch die Verfilmung von Jean-Jacques Annaud (1986) mit Sean Connery in der Rolle des William noch vergrößert wurde. Er ist eine packende Detektivgeschichte, ein literarisches Verwirrspiel über die Macht von Büchern und ein Schlüsseltext der Postmoderne.

Da steht es groß und breit: Der Film. Versteht mich nicht falsch, der Film ist klasse, ich liebe diesen Film! Aber „Der Name der Rose“ ist eben nicht nur eine raffinierte Detektivgeschichte, es ist auch und vor allem ein Buch über Politik, über Philosophie und über Religion.

Wir erfahren hier (sehr gut recherchiert) viel über die Geschichte der Ketzer und die Spiritualität des Mittelalters. Wunderbar wird die Dynamik zwischen den Mönchen des Klosters beschrieben, die aus vielen Ländern stammen und sich im Kloster vor allem wegen der Bibliothek zusammengefunden haben. Alle sind sie Wissenschaftler und (Buch-)Künstler, aber das hält sie nicht davon ab, gegeneinander zu intrigieren. (Wer jemals an einer Universität studiert hat, der kennt das Phänomen. *g*)

Für mich besonders interessant war, mehr über die Ketzer des Mittelalters zu erfahren. Sicher, ich wußte, daß die Inquisition sich zu der Zeit kaum um irgendwelche Hexen sondern mehr um Sekten und Strömungen innerhalb der Kirche „gekümmert“ hat. Was mir nicht bewußt war, ist, wie viele dieser Sekten es gab und wie extrem sie teilweise waren, viel extremer als heutige kirchliche Strömungen wie die Befreiungstheologen zum Beispiel.

Alles in allem bekommen wir ein wirklich lebendiges Bild des Mittelalters gezeichnet, das jedem sogenannten historischen Roman überlegen ist. Auch wenn das Buch teilweise nicht einfach ist, vor allem wegen der vielen lateinischen und griechischen Zitate (die aber im Anhang übersetzt werden), ist es absolut empfehlenswert!

Noch viel genialer als „Der Name der Rose“ und mindestens genauso gut recherchiert ist „Das Foucaultsche Pendel“ von Eco. Allerdings sollte man schon wissen, was die chymische Hochzeit oder wer die Sophia ist. Bei Gelegenheit werde ich das Buch einmal ausführlich besprechen.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: