La Habanera

La Habanera von Klaus Detlef Sierck

La Habanera von Klaus Detlef Sierck

Die junge Schwedin Astrée Sternhjelm verliebt sich auf einer Reise nach Puerto Rico in den Großgrundbesitzer Don Pedro de Avila und heiratet ihn. Doch nach zehn Jahren – Astrée hat inzwischen einen Sohn geboren – werden ihr das Leben in der Hitze der karibischen Insel und die Herrschaft ihres egomanischen Ehemannes zur Qual. Da taucht ihr Jugendfreund Dr. Nagel auf, um die Tropenfieberepidemie zu stoppen, deren Existenz Don Pedro und die Behörden beharrlich leugnen.

„La Habanera“ ist wieder einer dieser Filme, die mich deutlich zwiespältig stimmen. Technisch und dramatisch ist er großartig und innovativ. Allein schon die Verwendung von Licht und Schatten nimmt die visuelle Darstellung z.B. späterer Gangsterfilme Hollywoods schon voraus.

Die Zeit allerdings, in der der Film entstanden ist (1937) in Kombination mit dem Lieblingsstar der Nazis (Zarah Leander) … eigentlich genug, um mir Schmerzen zu verursachen. Wenn man dann auch noch der Leander zuhören muß, wie sie in herrlichster tropischer Kulisse sitzt und mit dramatischer Stimme von Schweden und Schnee schwärmt …urg! Dazu der Arzt aus Schweden, der so mir nichts dir nichts mal ein Heilmittel findet (woran die Amerikaner! davor gescheitert waren) und so der „primitiven“ südamerikanischen Bevölkerung das Heil bringt.

Allerdings gibt es einige Stellen im Film, an denen die nicht-arischen Personen reichlich positiv dargestellt werden. Zudem spielt Ferdinand Marian als puertoricanischer Ehemann der Heldin Karl Martell, der den schwedischen Arzt darstellt, locker an die Wand. Wenn man dann noch bedenkt, daß Regisseur Detlef Sierck 1937 (also kurz nach Produktion des Films) ins Exil ging … Man kann zwar keine tatsächliche Kritik am Nazi-Regime aus dem Film herauslesen, „La Habanera“ ist aber sicher nicht so regimetreu wie man auf den ersten Blick vermuten möchte. So hat man hier nicht nur eine qualitativ hochwertige Produktion vorliegen, sondern auch noch ein interessantes Dokument der Zeit- und Filmgeschichte.

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