Nach dem Beben

Nach dem Beben von Haruki Murakami

Nach dem Beben von Haruki Murakami

Murakami ist ein Gott!!!

Nachdem das geklärt ist, sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich mit „Nach dem Beben“ die erste Kurzgeschichtensammlung von Haruki Murakami gelesen habe. Das Buch entstand als Reaktion auf das furchtbare Erdbeben in Kobe und alle Geschichten darin handeln von Menschen, die auf die eine oder andere Weise von dieser Katastrophe berührt wurden. Das ist es, was der Klappentext uns verrät:

Fünf Tage und Nächte verbringt die Frau eines Verkäufers für Hifi-Geräte vor dem Fernseher mit den Katastrophenbildern vom Erdbeben – dann verläßt sie ihren Mann, der sich mit einem mysteriösen Päckchen auf eine Reise begibt. Eine Wahrsagerin sieht tief in die haßerfüllte Seele einer Ärztin, die einem Mann aus Kobe, der ihre Hoffnungen zerstört hat, den Tod wünscht. Die vierjährige Sara begegnet in ihren Alpträumen dem Erdbebenmann, der sie in die Kiste sperren will. Und der Bankangestellte Katagiri hat in seiner Wohnung Besuch von einem Riesenfrosch, der Tokyo vor der Zerstörung durch einen Wurm retten will.

Hier noch ein knapper Überblick über die sechs Kurzgeschichten in diesem Band, bevor ich meine Meinung zu „Nach dem Beben“ kundtue:

In Ufo in Kushiro wird ein Verkäufer von seiner Frau verlassen, nachdem sie sich fünf Tage lang die Bilder der Katastrophe von Kobe im Fernsehen angesehen hat. Er geht daraufhin selbst auf eine Reise und zwar eine, die länger und tiefer zu gehen scheint, als er das gedacht hatte.

In Stilleben mit Bügeleisen verbindet einen Maler mittleren Alters und eine junge Frau die Leidenschaft für Lagerfeuer am Strand. Und die Sehnsucht nach dem Tod, die Angst vor der Leere.

Alle Kinder Gottes tanzen bringt einem jungen Mann, der in einer religiösen Sekte aufgewachsen ist, die Begegnung mit seinem Vater. Und vielleicht mit … Gott.

Thailand ist die erste Geschichte von Murakami, die ich gelesen habe, die aus der Perspektive einer Frau erzählt wird. Während ihres Urlaubs in Thailand begegnet diese Frau, eine ältere Ärztin, einer Wahrsagerin, die sie tief verstört.

Frosch rettet Tokyo ist die surrealste der Geschichten, denn hier tritt wirklich ein Frosch auf, der mit einem Wurm um Tokyo kämpft. Der Kampf allerdings findet nur auf geistiger Ebene statt und um ihn durchstehen zu können, braucht er die Unterstützung eines Menschen.

Honigkuchen ist die Geschichte einer alten Liebe, die sich endlich erfüllt, und eine wunderbare Schilderung von Vaterliebe. Auch wenn der Protagonist nicht der leibliche Vater des vom Erdbeben verstörten Mädchens ist.

Ich persönlich finde, daß diese Kurzgeschichten, so gut sie sind (und gut sind sie!), nie an Murakamis Romane heranreichen können. Ihnen fehlt schlicht die Tiefe, die Detailvielfalt, die er in seinen längeren Texten entwickelt.

Für mich stechen trotzdem zwei Geschichten aus den anderen heraus. Ufo in Kushiro, weil hier Murakami einmal mehr seine Kunst demonstriert, mit einem einzigen Satz die Wirklichkeit ins Wanken bringen zu können. Und Thailand, weil ich mir bei dieser Geschichte wünschte, sie würde noch weitergehen. Wunderbar wäre das, wenn er daraus noch einen Roman machen würde! Aber bis dahin gibt es für mich eine ganze Menge noch ungelesener Murakami-Romane, an denen ich mich erfreuen kann!

Und auch wenn diese Kurzgeschichten nicht ganz die Größe der Romane haben, es gilt auf alle Fälle, wer auch immer den Meister noch nicht kennt: Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: