Die Go-Spielerin

Die Go-Spielerin von Shan Sa

Die Go-Spielerin von Shan Sa

„Die Go-Spielerin“ von Shan Sa ist eines der besten Bücher, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Worum geht es?

Virtuos beherrscht die junge Chinesin das Go-Spiel – bis sie dem Zauber eines Mandarin erliegt, der sie zu einem leidenschaftlichen Duell herausfordert. Dabei ahnt die Rebellin nicht, wer ihr Gegner in Wirklichkeit ist: ein Spion der Japaner, die in jenen Jahren die Mandschurei besetzen … Shan Sa wurde mit ihrem Roman um die tragische Liebe zwischen einer chinesischen Aristokratin und einem japanischen Leutnant zum Liebling der Pariser Literaturszene.

Das Schöne an diesem Buch ist, daß hier eine Asiatin über Asiaten schreibt. Die Gefühls- und Gedankenwelten der Protagonisten sind anders als unsere und in ihrer Andersartigkeit ungeheuer poetisch dargestellt. So entwickelt sich zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen der Go-Spielerin und dem Japaner auf so dezente Weise, wie es in einem westlichen Buch nicht möglich gewesen wäre. Alles was die beiden bis fast zum Schluß des Buchs tun ist … Go spielen. Da findet keine Berührung statt, keine großen Liebeserklärungen werden gemacht, keine heißen Küsse werden getauscht. Und doch durchzieht ihre Beziehung das Buch in immer stärkerem Maße.

Faszinierend auch die Darstellung der Besatzung und der Reaktion beider Völker darauf. Die teils resignierenden, teils kollaborierenden, teils aufbegehrenden Chinesen und die chauvinistischen Japaner, die immer wieder in verschiedensten Situationen aufeinander prallen. Getragen wird dieser gesamte Konflikt durch die raffinierte Komposition des Buches, das in den ungeraden Kapiteln immer ihre, in den gerade Kapiteln immer seine Sicht einnimmt. Natürlich ist das zu Beginn etwas verwirrend, zumal beide Sichtweisen aus der Ich-Perspektive geschildert werden. Läßt man sich aber darauf ein, gewinnt „Die Go-Spielerin“ noch mehr an Tiefe.

Trotz meiner absoluten Begeisterung zum Abschluß einige warnende Worte. Wer sich durch sehr direkte Darstellungen von Sex oder Gewalt ab-/erschrecken läßt, der sollte von diesem Buch die Finger lassen. Ebenso jeder, der noch nie etwas mit asiatischer Kultur zu tun hatte. Für alle anderen ist „Die Go-Spielerin“ ein absolutes Muß!

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