Herrscher ohne Krone

Herrscher ohne Krone von Harald Braun

Herrscher ohne Krone von Harald Braun

In den 1760er Jahren wird der berühmte deutsche Arzt Friedrich Struensee aus Altona an den dänischen Königshof gerufen, um den vermeintlich geisteskranken König Christian VII. zu untersuchen. Struensee bescheinigt dem jungen Monarchen die Fähigkeit zu regieren. Bald wird er sein einflußreicher Vertrauter und Berater. Dann aber machen Gerüchte um eine Affäre zwischen Struensee und Königin Mathilde die Runde – und ein Muttermal verrät den Mediziner als Vater von Mathildes Tochter.

„Herrscher ohne Krone“ ist wieder einmal so ein Film, bei dem ich nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Sicher, die Ausstattung und die schauspielerische Leistung sind klasse. Gerade Horst Buchholz als geistig instabiler König ist überragend. Eine solch sensible und dezente Darstellung von Wahnsinn würde man sich bei einigen anderen Filmen auch wünschen.

Die Handlung aber … Zunächst einmal wird von der recht guten Romanvorlage von Robert Neumann – „Favorit der Königin“ – ziemlich weit abgewichen. Im Buch sind noch die politischen und sozialen Änderungen und Neuerungen, die Struensee einführt, mit am wichtigsten. Im Film tritt das publikumswirksam hinter der Liebesgeschichte zwischen Struensee und Königin zurück.

Gleichzeitig sind die Helden der Geschichte irgendwie deutlich unsympathisch. Die Königin, die all ihre Erziehung und die jahrhundertealte Tradition ihrer Familie (sie ist Engländerin!) vergißt und sich einfach diesem dahergelaufenen Arzt an den Hals wirft (und dabei noch, und das ist das Schlimme, ziemlich indiskret ist), wirkt streckenweise fast schon wie ein verzogenes Gör und nicht wie eine adelige Herrscherin. Und Struensee selbst … man kann sich, wenn man den Film mit wachem Blick aufmerksam ansieht, des Eindrucks nicht erwehren, daß hier ein intelligenter Mann die geistige Schwäche eines Herrschers von Anfang an geplant und systematisch ausnutzt, um seine Ideen umzusetzen. Daß er im Laufe der Zeit dann Gewissensbisse bekommt (und trotzdem nicht anders handelt) macht die Sache auch nicht besser (eher im Gegenteil). So bleibt als einzig sympathische Hauptfigur der König, der einem nach und nach immer mehr leid tut. Und das ist ja nicht unbedingt das Ziel von Kinounterhaltung, oder?

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