Hotel Sacher

Hotel Sacher von Erich Engel

Hotel Sacher von Erich Engel

Endlich! Nach all den Komödchen, Revuefilmchen und anderen Schmonzettchen, die uns „Die großen deutschen Film-Klassiker“ in der letzten Zeit so beschert hat, endlich einmal wieder eine Tragödie, und was für eine! „Hotel Sacher“ ist einer der wenigen Filme, die für die meisten der Hauptpersonen schlecht ausgehen:

Im Wiener Hotel Sacher feiert die europäische Prominenz die Silvesternacht 1913/1914. Zu den Gästen des edlen Hauses gehören die schöne Nadja Woroneff, eine russische Spionin, sowie ihr einstiger Geliebter Stefan Schefczuk. Der kaisertreue österreichische Beamte weiß, daß sie eine Agentin der russischen Unabhängigkeitsbewegung ist. Als Stefan – wie Nadja slawischer Herkunft – selbst unschuldig in Spionageverdacht gerät, verrät er die Liebe seines Lebens.

Was uns hier nicht verraten wird, ist, daß sie vorher ihn verraten hat. Sie hatte Zugang zu einer Liste von Verdächtigen und konnte sie warnen, bevor sie verhaftet werden konnten. Und weil Stefan sie liebt (und sie ihn), verschweigt er das und geht für sie ins Haft.

Es ist eine wahre Freude, nun in der Oper und später bei der Feier im Hotel Sacher die verschiedenen Ver- und Entwicklungen zu beobachten. Neue Fakten kommen ans Licht, Fäden werden gezogen und vor allem wird in diesem Film eigentlich nur eines getan: geredet.

Dabei ist die Schwere des Themas hervorragend durch einige komische Momente balanciert. Ein Ehepaar aus Stuttgart, der tolpatschige Russe, der sich viel lieber mit einer Tänzerin treffen möchte als Politik zu betreiben … all das wird mit einer Leichtigkeit mit der Haupthandlung verknüpft, daß es eine Freude ist.

Interessant, daß sich hinter dieser Leichtigkeit und den imposanten Kulissen von 1913 deutlich Kritik geübt wird an der der Situation, in der sich Deutschland im Produktionsjahr 1938 befindet: Das unsichere Verhältnis zu Rußland und der drohende Krieg(!) werden immer wieder deutlich angesprochen. Mutig von Regisseur Erich Engel, der sowieso schon nicht allzu beliebt war bei den Nazis!

Wer genau hinsieht, kann in Leutnant Herrngruber, dem besten Freund von Stefan Schefczuk übrigens Wolf Albach-Retty erkennen. Dieser zu seiner Zeit berühmte und beliebte Schauspieler ist der Vater von Romy Schneider.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: