Fräulein Else

Fräulein Else von Arthur Schnitzler

Fräulein Else von Arthur Schnitzler

Die 19-jährige Else macht gerade Ferien in den Dolomiten, als sie der verzweifelte Brief ihrer Mutter erreicht: Der Vater steht vor dem Bankrott, einzig Else könne die Familie noch retten, wenn es ihr gelänge, den befreundeten Kunsthändler Dorsay zu bewegen, 30.000 Gulden vorzustrecken. Else ahnt, daß die Summe an Bedingungen geknüpft sein wird. Als Dorsay das Geld in Aussicht stellt, wenn Else sich vor ihm entblößt, gerät Else in ein moralisches Dilemma, das sie an die Grenzen ihrer Existenz treibt.

Senta Berger liebt Schnitzlers Novelle. Dieses Hörbuch ist keine Lesung, es ist eine dramatische Inszenierung, ein Ein-Personen-Stück, eine packende Privatvorstellung, der man atemlos bis zum tragischen Ende lauscht.

Für das Hörbuch „Fräulein Else“ gibt es eigentlich nur ein Wort: Wow!

Zunächst einmal ist da Arthur Schnitzlers Text, der (typisch für ihn) ungeheuer psychologisch einfühlsam Elses Dilemma darstellt. Durch die Ich-Perspektive, den inneren Monolog (die berühmte und für Schnitzlers Zeit sehr moderne „stream of consciousness“-Technik), wird uns Elses Innenleben eindringlich nahe gebracht. Die innere Not und Verzweiflung der Figur wird dabei schmerzhaft fühlbar.

Wunderbar vor allem Schnitzlers Verwendung von Sprache, sein Ausdruck. Das ist ein Autor, der sein Handwerk meisterlich beherrscht! Da ich seine Theaterstücke sowieso schon immer sehr geschätzt habe, werde ich mir in Zukunft bestimmt auch seine anderen Prosatexte zu Gemüte führen.

Was das Hörbuch aber herausragend macht, ist Senta Bergers Vortrag. Tatsächlich übertreibt der Klappentext hier nicht, wenn er es ein „Ein-Personen-Stück“ nennt. Frau Berger liest nicht „Fräulein Else“, sie IST Else. Mit (fast brutaler) Inbrunst wirft sie sich in das Stück hinein, lebt die Rolle, taucht ganz in den Text ein. Eine bewundernswerte Hingabe, vor der man nur den Hut ziehen kann. Das ist es, was für mich eine wahre Künstlerin ausmacht. Kein Wunder, daß Senta Berger 1965 den Golden Globe für die beste Nachwuchsschauspielerin gewonnen hat (und danach noch eine ganze Reihe weiterer Preise).

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