Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin von Dai Sijie

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin von Dai Sijie

Zwei pfiffige chinesische Studenten, die zur „kulturellen Umerziehung“ in ein abgelegenes Bergdorf ans Ende der Welt verschickt wurden, merken bald, daß sie nur eine einzige Möglichkeit haben zu überleben: Sie müssen in den Besitz jenes wunderbaren Lederkoffers gelangen, der die verbotenen Meisterwerke der westlichen Weltliteratur enthält. Denn nur mit ihnen können sie den Widrigkeiten ihres Daseins entkommen – und vielleicht können sie am Ende das Herz der Kleinen Schneiderin gewinnen.

Eigentlich hat „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ ja ein sehr ernstes Thema. Nicht nur die kulturelle Umerziehung und die Unterdrückung der Intellektuellen, auch noch das primitve Leben auf dem Land, der völlige Mangel an Bildung bei der Landbevölkerung, ja sogar ungewollte Schwangerschaft und Abtreibung werden hier dargestellt. Trotzdem ist Dai Sijies Roman bezaubernd leicht zu lesen, witzig, spritzig und voller Liebe für seine Figuren.

Die beiden Studenten (eigentlich sind es ja nur Oberschüler), die man hier aufs Land zur Umerziehung geschickt hat, tragen ihr Schicksal mit Fassung und einer guten Portion Humor. Sie nutzen ziemlich skrupellos ihre überlegene Bildung aus, um Vorteile für sich herauszuschinden und entwickeln große (kriminelle) Kreativität, als es dann darum geht, an den Koffer mit westlicher Literatur zu gelangen. Ihr Hunger nach einer (sei es auch nur kurzen und gedanklichen) Flucht aus ihrer Situation und ihre Gier nach Leben ist trotz aller Unterdrückung immer noch groß. Und dann gilt es eben auch noch, die Kleine Schneiderin zu beeindrucken, die wirklich ganz bezaubernd ist.

Durch das gesamte Buch hindurch wird aber immer wieder deutlich, daß auch im China Maos immer noch Standesunterschiede und Standesdünkel bestehen. Die beiden Städter fühlen sich der Landbevölkerung überlegen. Und ein Grund, warum sie der Kleinen Schneiderin aus den westlichen Büchern vorlesen, ist, daß sie aus ihr ein gebildetes (Stadt-)Mädchen machen wollen. Nur … diese Haltung rächt sich, denn die Kleine Schneiderin wächst schon bald über ihre beiden Verehrer und ihr Dorf hinaus, und macht sich auf den Weg in ein neues eigenes Leben. So geht die Geschichte für die beiden Studenten schlecht aus, das Mädchen aber hat gewonnen.

Gefällt mir, das Buch, wirklich!

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