Selkirks Insel

Selkirks Insel von Diana Souhami

Selkirks Insel von Diana Souhami

Als ich (sowieso gerade auf der Suche nach Büchern über Seefahrt) auf dem Klappentext von „Selkirks Insel“ gelesen habe:

Eine fesselnde Reise in die Welt der Freibeuter und Entdecker. Der „echte“ Robinson Crusoe hieß Alexander Selkirk und wurde 1704 auf einer einsamen Insel im Pazifik ausgesetzt. Diana Souhamis packende Biographie entführt in die rauhe Welt der englischen Seefahrt im 18. Jahrhundert.

mußte ich das Buch natürlich sofort kaufen. (Gut daß es auf einem Wühltisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren lag!) Ich habe eine Schwäche für Piraten und ich mag Biographien, was also will man mehr?

Und ich muß sagen, ich habe den Kauf auch nicht bereut. Diana Souhami zeichnet anhand alter Log- und Tagebücher, anhand von Briefen und Gerichtsakten das Leben des Mannes nach, der nachweislich Daniel Defoe zu seinem „Robinson Crusoe“ inspiriert hat. Die Realität dieses Mannes, des Schotten Alexander Selkirk, sah natürlich ganz anders aus Defoe sich das später zurechtgesponnen hat. Da wo Crusoe mit harter und fleißiger Arbeit ein kleines Paradies auf seiner Insel schafft, verwildert Selkirk bis fast zur Unmenschlichkeit.

Schön auch, wie gut Souhami die britische Marine und die Handelsexpeditionen zu dieser Zeit portraitiert. Draufgänger, Betrüger, Geldsäcke, Gauner, alle tummeln sie sich in diesem Buch. Für uns heute fast unvorstellbar, wie raffgierig und skrupellos da die Kolonien und die Eingeborenen ausgebeutet wurden. (Obwohl … wenn man sich das Verhalten so manches großen Konzerns heutzutage ansieht … zumindest prahlt man heute nicht mehr in aller Öffentlichkeit mit seinen Schandtaten …)

Mit Selkirk macht die Autorin einen Mann zum „Helden“ ihres Buches, der absolut nicht aus der Masse anderer Seeleute und Matrosen herausragt. (Außer eben dadurch, daß er vier Jahre allein auf einer einsamen Insel überlebt hat, was im Buch aber nur ein einziges Kapitel von nicht mal 40 Seiten einnimmt.) Er ist weder von Adel noch sonderlich gebildet, er beginnt seine Karriere als Seemann nicht mit dem Ziel Offizier zu werden. Tatsächlich ist Selkirk sogar ein ziemlicher Rauf- und Trunkenbold, ungehobelt und jähzornig. Und mit diesem Blick auf einen „einfachen Mann“ gelingt es ihr, ein gutes Bild der damaligen Zeit zu vermitteln.

Das einzige was mich an „Selkirks Insel“ gestört hat, sind die Stellen, an denen Souhami zu schwärmerisch und pseudotiefsinnig wird. Mir wäre ein etwas sachlicherer Stil lieber gewesen, zumal in Selkirks Geschichte schon zu seiner Zeit mehr als genug hinein interpretiert wurde.

Hier der Wikipedia-Eintrag zu Alexander Selkirk.

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