Nur nicht unsichtbar werden

Nur nicht unsichtbar werden von Nuala O'Faolain

Nur nicht unsichtbar werden von Nuala O'Faolain

Irland in den 50er Jahren. Eine junge Frau und ein junger Mann verlieben sich ineinander, heiraten und bekommen viele Kinder. Ohne jemals darüber nachgedacht zu haben, was das eigentlich bedeutet, ohne es im Grund jemals gewollt zu haben. Daran gehen beide zugrunde. Nuala O’Faolain ist eines dieser ungeliebten Kinder aus dieser seltsamen Zeit. Ihr autobiographischer Roman wurde aus einem sehr schönen, schlichten Grund ein Bestseller: So ein Buch hatte es vorher nicht gegeben.

Monica Bleibtreu spricht Nuala O’Faolains Lebensgeschichte so still und zurückhaltend, wie es nur eben geht. Besser kann man diesem Text nicht gerecht werden.

„Nur nicht unsichtbar werden“ ist ein Buch, bei dem ich nicht so recht weiß, was ich von ihm halten soll. Es hat wunderbare und berührende Momente. Wenn Nuala O’Faolain über das Alter und Einsamkeit spricht zum Beispiel, ist das sehr bewegend.

Dem eigentlichen Anliegen der Autorin, eine Autobiographie zu schreiben nämlich, ist aber für mich nicht ausreichend genug nachgekommen worden. O’Faolain umreißt in einzelnen Episoden und Gedankenfetzen, in Briefdokumenten und Szenen ihr Leben. Und dieses Leben scheint nicht sehr leicht gewesen zu sein, immerhin leidet sie selbst im Alter noch unter ihrer Kindheit. Sie schafft es aber nicht, dieses Leiden wirklich zu vermitteln. Zu distanziert sind ihre Einwürfe über Gewalt und Alkohol, eher nebenbei bemerkt und in Halbsätzen angedeutet. Mag sein, daß in Irland selbst in der Generation der Autorin dieses Buch verstanden wurde, da viele ähnliches erlebt zu haben scheinen. Für einen nicht so involvierten Leser bleibt über viele Strecken aber nur Verwirrung und Langeweile. Schade!

Monica Bleibtreu trägt das Buch angenehm und mit angemessen nachdenklichem Duktus vor. Da ist es doppelt ärgerlich, daß das Hörbuch massiv gekürzt wurde gegenüber der Romanfassung. So wird die Geschichte von O’Faolain noch weniger nachvollziehbar. Dabei haben andere Folgen der „Starke Stimmen“-Hörbücher durchaus nicht nur zwei sondern bis zu vier CDs. Es wäre also möglich gewesen, mehr an Text aufzunehmen. Kann ich absolut nicht begreifen, wieso an dieser Stelle gespart wurde!

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