Die Höhlenkinder

Die Höhlenkinder von Alois Theodor Sonnleitner

Die Höhlenkinder von Alois Theodor Sonnleitner

„Die Höhlenkinder“ von Alois Theodor Sonnleitner ist ein Sammelband mit drei Büchern:

Im heimlichen Grund beginnt die Geschichte. Ende des 17. Jahrhunderts müssen die kleine Eva, ihre Großmutter, ihr Großonkel und der Waisenjunge Peter vor der Inquisition fliehen, weil die Großmutter der Hexerei verdächtigt wird. Sie steigen in ein abgelegenes Tal auf, den gefährlichen Berggang überleben aber nur die beiden Kinder. Auf sich alleine gestellt eignen sie sich schnell erste Überlebenstechniken an. Aus Steinen werden Steinwerkzeuge, aus Höhlen werden Wohnungen und als sie dann auch noch durch einen Blitzschlag Feuer zum Kochen und Wärmen erhalten, sind sie gerüstet, den ersten Winter in den Bergen zu überstehen.

Erleben wir im ersten Band nur ein gutes halbes Jahr mit Eva und Peter, so überspannt Im Pfahlbau schon mehrere Jahre. Die Kinder machen immer neue Erfindungen, ein Bohrer, Keramik, einen Webstuhl, die ersten Bronzegegenstände und die ersten Haustiere, all das eignen sie sich an. Vor allem aber lernen sie, das Feuer zu meistern, können selbst Feuer machen und sind nicht mehr vom Zufall eines Blitzes abhängig. Aus den Höhlen ziehen sie aus und bauen sich sicherere Pfahlbauten im Moor. Und … Eva und Peter werden erwachsen, sie streiten sich, wie sich nur Pubertierende streiten können, aber natürlich versöhnen sie sich auch.

Im Steinhaus zeigt uns dann die erwachsenen Kinder. Eva und Peter schwören sich ewige Treue und werden Eltern. Nicht nur sie machen weiterhin viele Erfindungen (das Steinhaus eben, aber auch die Herstellung von Eisen), vor allem ihr Sohn Hans wird im Laufe des letzten Bandes zum wahren Genie heranwachsen. Dieser letzte Band umfaßt auch die größte Zeitspanne, denn zum Schluß ist Hans selbst erwachsen und bricht in die Welt außerhalb des Tals auf, um sich eine Frau zu suchen.

Vor allem die ersten beiden Bände von „Die Höhlenkinder“ haben mir sehr gut gefallen. Zwar geht die Entwicklung schnell voran und man mag sich fragen, wie die beiden Kinder so rasch durch die Menschheitsgeschichte hetzen, wie sie so viele Erfindungen einfach aus dem Ärmel schütteln können. Dabei darf man aber nicht vergessen, daß die beiden all das, was sie später erfinden, schon einmal gesehen und erlebt haben. Sie müssen sich also nicht alles neu ausdenken, sondern sie erinnern sich an das, was sie früher hatten und ahmen es nach. Vor allem im zweiten Band wird das auch immer wieder explizit erwähnt.

Der dritte Band ist dann schwächer, denn mit Hans erleben wir hier einen Charakter, der richtiggehend omnipotent ist. Er ist mitfühlend und phantasievoll, gleichzeitig zupackend und verantwortungsbewußt, und darüber hinaus noch ein größeres Erfindergenie als Leonardo da Vinci. Außerdem wedelt Sonnleitner in diesem Band gar zu sehr mit dem moralischen Zeigefinger und wettert fast schon wie von der Kanzel gegen das Trinken und Rauchen.

Trotzdem würde ich alle drei Bände von „Die Höhlenkinder“ unbedingt jedem Kind in die Hand drücken wollen. Allein schon der anspruchsvollen Sprache wegen, die weit über das hinaus geht, was viele heutzutage für kindgerecht halten. Aber woher soll ein Kind denn ein gutes Sprachempfinden bekommen, wenn nicht aus solchen Büchern? Aus dem Fernsehen bestimmt nicht …

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: