Die Bounty

Die Bounty von Caroline Alexander

Die Bounty von Caroline Alexander

Kaum ein Vorfall in der Geschichte der Seefahrt hat eine solche Berühmtheit erlangt wie die legendäre Meuterei auf der Bounty. Caroline Alexander schildert akribisch und mitreißend das Geschehen und die Hintergründe, sie korrigiert die gängige Lesart und läßt den Ereignissen und Personen zum ersten Mal historische Gerechtigkeit widerfahren.

Und was für eine Masse an Fakten Caroline Alexander hier zusammengetragen hat! Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf die Meuterei selbst, sondern zeichnet genau die Lebenswege der einzelnen Protagonisten nach. Herkunft, Bildung und weiterer Werdegang der einzelnen Besatzungsmitglieder werden beleuchtet, die politisch-wirtschaftlichen Dimensionen der Bounty-Fahrt werden aufgezeigt, gesellschaftliche Hintergründe erschlossen. Alexander malt ein faszinierendes Bild, in dem der hart arbeitende Mann des Mittelstands (Bligh) auf den Standesdünkel des verarmten Adels trifft (Christian & die anderen Anführer der Meuterer). Interessant vor allem, wie sie herausarbeitet, daß erst nach der eigentlichen Kriegsgerichtsverhandlung das begann, was unser heutiges Bild von der Meuterei auf der Bounty geprägt hat: Eine raffiniert eingefädelte Rufmordkampagne.

In einer Zeit, in der wirklich jeder, der schreiben konnte, Tagebuch führte und eifrig per Brief korrespondierte, kamen nach jeder Seefahrt Unmengen an Papier zusammen. Alexander hat sie alle durchwühlt und läßt die Protagonisten lebendig aus den jahrhundertealten Zeilen heraustreten. Für mich waren vor allem zwei Gestalten unter den Crew-Mitgliedern besonders beeindruckend.

Zum einen natürlich William Bligh, der mir von Anfang an sympathisch war. So bemüht um seine Mannschaft, immer eifrig, sehr von sich eingenommen und gleichzeitig liebevoll besorgt um seine Männer. Dummerweise aber mit einem großen Jähzorn geschlagen, der ihn ab und zu ausflippen ließ (immer nur verbal wohlgemerkt!). In ihm konnte ich mich sehr gut wiederfinden. Ja, es ist schön, daß ihm hier endlich Gerechtigkeit widerfährt.

Wirklich überrascht aber hat mich der Bootsmannsmaat James Morrison, der ja eigentlich recht unbekannt ist, und auch kein Mann von hohem Stand war. Aber er war halbwegs gebildet und definitiv sehr gewitzt. Er schaffte es als einziger der Meuterer nicht nur sich ohne Anwalt in der Kriegsverhandlung so passabel zu verteidigen, daß er zwar schuldig gesprochen aber begnadigt wurde, nein, er war auch maßgeblich an der Kampagne gegen Bligh beteiligt. Dabei zeugen seine schriftlichen Hinterlassenschaften von einer scharfen Beobachtungsgabe und einem fiesen Humor.

„Die Bounty“ ist wirklich ein hochinteressantes Buch, das sich auch als Laie gut liest. Allerdings wäre es schön gewesen, neben der wirklich ausführlichen Dokumentation der Quellen, auch ein Verzeichnis der Personen zu haben. All die Halletts, Haywards, Heywoods, Muspratts, Millwards und Martins kann man nämlich nach einiger Zeit nicht mehr so ganz auseinanderhalten. Da hilft dann nur ein schnelles Vor- und Zurückblättern, um herauszufinden, wen genau man vor sich hat.

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