Der Club Dumas

Der Club Dumas von Arturo Pérez-Reverte

Der Club Dumas von Arturo Pérez-Reverte

Was für ein tolles Buch! Ein Buch über Bücher, Bücherliebhaber und Büchermacher, mit vielen Bezügen zu wieder anderen Büchern, mit Zitaten und Querverweisen … das mußte mir ja einfach gefallen! Und darum geht es:

Wer Bücher liebt, lebt gefährlich: Diese Erfahrung muß jetzt jedenfalls Lucas Corso machen, der im Auftrag von Antiquaren, Buchhändlern und Sammlern nach prachtvollen Erstausgaben, skurrilen Sonderauflagen und wertvollen Wiegendrucken sucht. Zwei bibliophile Kostbarkeiten werden dem Bücherjäger zum Verhängnis: ein kostbarer okkulter Band, dessen Drucker vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen endete, und das Kapitel eines Originalmanuskripts von Alexandre Dumas. Sind beide wirklich echt? Manche Bücherschätze entzünden offensichtlich Leidenschaften, die geradewegs in den Wahnsinn führen …

Das beste an „Der Club Dumas“ ist, daß dieses Buch meine beiden großen Leidenschaften miteinander verbindet. Es ist nämlich nicht nur ein Buch über Bücher, sondern auch noch ein vorzüglicher Krimi, mit vielen falschen Spuren, Ablenkungsmanövern und einem wirklich interessanten Rätsel. (Und ich bin stolz auf mich, dieses Mal habe ich aufgepaßt und gewußt, wie zumindest der eine Handlungsstrang ausgehen muß.)

„Der Club Dumas“ hat außerdem mit Lucas Corso einen Helden, der so wunderbar gescheitert ist und gleichzeitig so herrlich gewieft, daß es eine reine Freude ist. Schön sind die kleinen Stellen, in denen seine lakonisch-zynische Einstellung herauskommt, wie hier zum Beispiel:

[Die bisherige Handlung wird zusammengefaßt, es finden sich viele Verweise und Figuren, die Büchern von Dumas entsprungen zu sein scheinen.] Corso fluchte leise vor sich hin. Er hätte einen raren Wiegendruck in gutem Zustand dafür gegeben, dem Erfinder dieses absurden Drehbuchs die Fresse polieren zu können.

Oder hier, wo es um seinen besten Freund geht, der Frauen gerne die Seite seines Profils zuwendet, die er für vorteilhafter hält:

Corso war sich auch gar nicht sicher, je ein Profil besessen zu haben, das auf einer Seite vorteilhafter war als auf der anderen. Und das kümmerte ihn auch einen Dreck.

Ist er nicht herrlich?

Besonders klasse wird „Der Club Dumas“ natürlich, wenn man die vielen Zitate und Andeutungen aus anderen Büchern verstehen kann. Die Figur Boris Balkan bemerkt in diesem Buch einmal, daß es unter den Literaturfreunden, so sehr sie auch später der „hohen“ Literatur frönen, viele gibt, die sich mit einem liebevollen Lächeln an die alten Fortsetzungsromane von Dumas & Co. erinnern, die mit den Musketieren oder mit Scaramouche Abenteuer erlebt haben. Man diskutiert über Sartre oder Kundera oder Joyce, aber man schwärmt von den alten Helden seiner Kindheit. Damit hat er natürlich recht, und insofern gehöre auch ich zum Club Dumas.

Wobei ich mittlerweile mindestens eine Geschichte kenne, die unter anderem eine Hommage an „Der Club Dumas“ ist.

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