Far Tortuga

Far Tortuga von Peter Matthiessen

Far Tortuga von Peter Matthiessen

Far Tortuga ist das Ziel des Seelenverkäufers und Schoners Lillias Eden aus West Bay, auf dem Mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine zusammengewürfelte Mannschaft von Schildkrötenfängern anheuert.

Kolumbus hat sie noch gesehen, die kleinen Inseln südlich von Kuba, voll von Schildkröten, so daß er sie „Tortugas“ nannte. Später waren sie die „Misteriosas“, die geheimnisvoll auftauchten und wieder verschwanden. Sie sind auf keiner Karte verzeichnet. Vielleicht waren sie ein weggetauchtes Riff, vielleicht ein Traum, eine Legende, untrennbar mit den Geschichten der schwarzen Sklaven, der indianischen Ureinwohner, Seeräuber, Schiffbrüchigen und der Desperados verbunden, irgendwo in der unendlichen Weite der karibischen See.

Dieser Klappentext klingt eigentlich ziemlich banal und absolut nicht spannend, oder? Für mich ist „Far Tortuga“ auch eher ein Zufallsfund gewesen, weil ich sowieso Bücher zum Thema Seefahrt gesucht habe. Gekauft habe ich es schlußendlich, weil der Einband so schön blau ist …

Was ich dann gelesen habe, ist eines der besten Bücher, das ich jemals in der Hand hatte. Peter Matthiessen ist (leider) in Deutschland so gut wie unbekannt, dabei ist er ein unendlich sprachgewaltiger und virtuoser Autor. Seine Beschreibungen sind karg und von knappen Sätzen bestimmt, und doch stimmungsvoll und sehr poetisch.

Tragendes Element seines Romans aber sind die Dia- und Monologe der (reichlich heruntergekommenen) Schiffscrew der (annähernd schrottreifen) Lillias Eden. Herrlich die Verwendung von karibischem Slang und Gossensprache! An dieser Stelle muß natürlich unbedingt auch Joachim Kalka erwähnt werden, der Matthiessens Werk perfekt ins Deutsche übersetzt hat. Das ist ein Übersetzer der seinen Namen wirklich noch verdient!

„Far Tortuga“ ist aber nicht nur wegen seiner Sprache ein Buch, das man immer wieder in die Hand nehmen möchte. Nein, auch die Art, wie auf vielen Seiten mit Worten regelrechte Bilder gemalt wird, ist erwähnenswert. Matthiessen arrangiert seine Worte auf den einzelnen Seiten wie in manchen modernen Gedichten üblich, sie bilden Wellen und Bewegungen auf den weißen Bögen. Und manchmal leistet er sich tatsächlich den Luxus, nur ein Wort auf eine ganze Seite zu schreiben. Herrlich!

Nachdem ich jetzt so viel über Sprache und Form des Romans geredet habe … es sollte nicht unerwähnt bleiben, daß die Geschichte, die in „Far Tortuga“ erzählt wird, absolut spannend und mitreißend ist. Es ist eine Geschichte von Verlierern, die langsam aber unausweichlich auf ihr Scheitern zusteuern. Was dabei alles passiert und ob die Crew bis zum Ende überlebt, das soll nicht verraten werden. Eines aber ist sicher: Langweilen wird man sich mit diesem Roman ganz bestimmt nicht!

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