Das Parlament der Feen

Das Parlament der Feen von John Crowley

Das Parlament der Feen von John Crowley

Es gibt nur sehr wenige Bücher, die es schaffen, den Leser zu verzaubern. Sicher, viele Bücher sind fesselnd, packend, spannend, mitreißend, traurig und noch vieles mehr. Aber wirklich nur die allerwenigsten Bücher vermögen es, eine Atmosphäre des Zauberischen, einer schrecklich-schönen Welt in unserer Welt zu schaffen. Eigentlich kommen mir nur „Winterrose“ von Patricia A. MacKillip oder alles von Neil Gaiman dabei in den Sinn. Und nun also auch „Das Parlament der Feen“ von John Crowley. Ein zauberhaftes Buch, ein verzauberndes Buch, ein Zauberbuch:

New York um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Der junge Smokey verliebt sich Hals über Kopf in die bezaubernde Alice. Zu Fuß macht er sich auf den Weg zum Anwesen der Drinkwaters, um seinen Heiratsantrag zu überbringen. Edgewood entpuppt sich als seltsames Haus mit unzähligen Erkern, Fluchten und Trakten. Und seine Bewohner offenbaren sich als höchst eigenwilliger Clan mit verschlungener Familienchronik, in der auch das Übersinnliche seinen Platz hat. Es gab einmal einen Pakt mit den Feen, und er ist noch immer gültig …

Tatsächlich erzählt uns Crowley in seiner Familienchronik nicht weniger und nicht mehr als ein Märchen. Nein, nicht ein Märchen, DAS Märchen. Eine Familie, die einen Pakt mit den Feen geschlossen hat, selbst feenhaft ist, sich in Zirkeln und Zyklen bewegt und doch geradeaus auf das Ziel zu, das Ende des Märchens, den Anfang. Es ist eine alte Geschichte, die doch immer wieder neu ist: Werden, Vergehen, Neues löst Altes ab, Geburt, Tod, Mann, Frau.

Der große Kunstgriff des Autors ist nicht nur, daß er alte Themen so geschickt neu variiert (die Mutter, die Hexe, die Schicksalsspinnerinnen, Oberon und Titania, der schlafende König im Berg, der Wechselbalg), daß man sich manchmal bemühen muß, sie zu erkennen. Was das Märchen so außergewöhnlich und bewegend macht, ist vor allem, daß er die Geschichte zumeist aus den Augen derjenigen erzählt, die es nicht begreifen, die nichts wissen und an ihrem Nichtwissen verzweifeln (bezeichnenderweise sind das allesamt Männer). So weiß auch der Leser oft nicht, was genau gespielt wird, kann nur ahnen und raten. Die Nähe, die damit zu diesen Personen hergestellt wird (vor allem natürlich zu Smokey und seinem Sohn Auberon), ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, daß die Erlebnisse und Begegnungen, die die Protagonisten haben, oft mehr als außergewöhnlich sind.

„Das Parlament der Feen“ ist eines der seltenen Bücher, die eine Saite tief in uns zum Klingen bringt, die in der heutigen Zeit kaum noch angeschlagen wird. Es weckt in uns ein Ahnen, ein Sehnen und ja, ein Wissen, das wir zwischen Stahl, Beton und Glas schon fast verloren glaubten.

Auch und gerade für dieses Buch gilt was für alle guten Bücher gilt: Ein gutes Buch ist deshalb gut, weil es wahr ist.

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