Das kunstseidene Mädchen

Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun

Doris ist jung, hübsch und gelangweilt: Ihr Job in einer Schreibstube hält sie gefangen. Also stürzt sie sich in das dekadente Berliner Nachtleben der 20er Jahre, verliebt sich, wird verlassen, strandet, wird aufgelesen, verliebt sich wieder, haut ab, schlägt sich durch, findet endlich Halt und verliert am Ende alles, außer ihrem Lebensmut. Irmgard Keun erzählt die Geschichte einer verzweifelten Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben in einer Zeit, als sich der Untergang von Freiheit und Menschlichkeit in Deutschland bereits abzeichnete.

Fritzi Haberland liest Irmgard Keuns Roman mit einer zärtlichen Anteilnahme, die dem „kunstseidenen Mädchen“ das verleiht, was es in der Geschichte nicht bekommen wird: Glanz und Würde.

„Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun ist eines der Bücher, das ich ohne die „Starke Stimmen“-Hörbücher nie kennengelernt hätte. Und das wäre sehr sehr schade gewesen! Das Buch ist nämlich einfach herrlich!

Zunächst einmal liebe ich natürlich die Zeit, in der es spielt: die Goldenen 20er Jahre (die ja eigentlich so golden gar nicht waren). Und dann ist natürlich die Ich-Erzählerin Doris ganz herzallerliebst. Die Art wie sie in ihrem Tagebuch (denn der Roman kommt als Tagebuchaufzeichnungen seiner Heldin daher) über das Leben, die Männer und den ganzen Rest redet ist einerseits so abgebrüht und zynisch und dabei andererseits von so rührender Naivität, daß sie einem schnell ans Herz wächst. Umso mehr, da dem Leser ziemlich von Anfang an klar ist, daß Doris es niemals schaffen wird, ein „Glanz“ zu werden.

Da der Roman aus dem Jahr 1932 stammt, ist auch die Sprache herrlich authentisch. Immerhin stammt Doris aus einfachen Verhältnissen und die Keun schafft es, das deutlich in ihrer Ausdrucksweise herauszustellen. Ach, es macht einfach Spaß, Doris‘ Plaudereien zu lauschen und ihren unverwüstlichen Optimismus zu erleben, den sie bis zum Schluß nicht verliert.

Die helle, fast mädchenhafte Stimme von Fritzi Haberland paßt ausgezeichnet zu diesem Text. Ihrem Vortrag zu folgen ist ein Genuß, da sie weder zu sehr dramatisiert noch völlig unbeteiligt bleibt. Ich hatte oft das Gefühl, daß sie sich gut mit Doris identifizieren konnte beim Lesen. So vergißt man meist völlig, daß man einer professionellen Sprecherin lauscht, sondern meint, tatsächlich Doris zuzuhören.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: