Der Schimmelreiter

Der Schimmelreiter von Curt Oertel und Hans Deppe

Der Schimmelreiter von Curt Oertel und Hans Deppe

„Der Schimmelreiter“ von Storm hat Generationen von Schülern als Lektüre gequält (mich auch). Für alle, die nicht wissen, worum es in „Der Schimmelreiter“ geht, hier der Klappentext der DVD:

Die früheste Verfilmung von Theodor Storms gleichnamiger Novelle schildert die Legende vom Deichgrafen Hauke Haien, der im 18. Jahrhundert an der friesischen Küste den Bau eines neuartigen Deichs gegen den Aberglauben und die Mißgunst in der Dorfgemeinschaft durchsetzt. Nur seine Frau Elke steht ihm zur Seite. Als der Deich feierlich eingeweiht wird, setzt unerwartet eine heftige Sturmflut ein. Beim Versuch, eine Katastrophe zu verhindern, kommen Hauke und Elke zu Tode.

Zwiegespalten stehe ich dieser Verfilmung gegenüber, ich gebe es ehrlich zu. Sie ist ein Produkt ihrer Zeit, man sieht ihr den Stummfilm noch an. Großartige Landschaftsaufnahmen, harte schwarz-weiß Kontraste, hervorragende Schauspieler, die durch eine sehr ernste und ausdrucksstarke Spielweise bestechen. Der Film könnte göttlich sein, wenn …

Ja, wenn er nicht 1933 produziert und 1934 von den staatlichen Prüfern als „besonders wertvoll“ eingestuft worden wäre. Storms Werk wird hier benutzt, und nicht nur das, es wird verändert. Ich erinnere mich nicht mehr an viel aus meiner Schullektüre, nur die Figur des Deichgrafen, des Schimmelreiters eben, die ist mir noch deutlich im Hinterkopf. Weil Hauke Haien eben anders war, tiefgründig, brütend, fast schon unheimlich, gar mythenbehaftet. Er war ein Mensch und gleichzeitig vom Schicksal berührt. Und das ist es, was Storms Novelle so herausragend macht, denke ich. Im Film „Der Schimmelreiter“ wird der Deichgraf stattdessen zu einem strebsamen Führer, der seinen Leuten neues Land erschließt. Dabei weiß er mehr als sie, weiß, daß sie auch Opfer bringen müssen für dieses hehre Ziel und opfert sich selbst am Ende für sie auf. Das ist so nazi-teutsch, daß es schon fast nicht mehr schön ist.

Trotzdem lohnt es sich, diesen Film zu sehen. Die Optik und die Schauspielkunst sind einfach zu gut, um ihn verpassen zu dürfen!

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