Das Schwert in der Stille

Das Schwert in der Stille von Lian Hearn

Das Schwert in der Stille von Lian Hearn

Die „Der Clan der Otori“-Reihe von Lian Hearn wird ja schon seit einiger Zeit von den Rezensenten sehr bejubelt. Da ich sowieso auf asiatische Hintergründe stehe, hatte ich das erste Buch „Das Schwert in der Stille“ schon lange auf meiner Leseliste und jetzt endlich konnte ich es Dank BookCrossing lesen. Und darum geht es:

Als Takeos Dorf überfallen wird, rettet Lord Shigeru, der Anführer des Clans der Otori, ihm das Leben. Von Shigeru lernt Takeo die Bräuche des Clans, widmet sich aber auch anderen, dunkleren Künsten – und gerät dabei immer tiefer in eine Welt der Lügen, der Geheimnisse und der Rache …

Genau das mit den dunklen Künsten hat mich schon vor dem Lesen etwas skeptisch gemacht, ich mag Magie eigentlich nicht, auch nicht in Fantasybüchern. Nach dem Lesen muß ich aber sagen, daß die Fertigkeiten, die Takeo hat, weniger etwas mit Magie zu tun haben. Es sind vielmehr übernatürliche Fähigkeiten, die er von seinem Vater geerbt hat, der seinerseits aus einem Ninja-Clan stammt. Und das ist OK, absolut OK. Daß Ninja besondere Fähigkeiten haben, das ist eben in der japanischen Erzähltradition so, sieht man ja auch oft in Filmen.

Insofern finde ich es auch ein wenig schade, daß „Das Schwert in der Stille“ vor allem als Fantasyroman gehandelt wird. Eigentlich ist es das nämlich nicht. Lian Hearn hätte nur eine etwas genauere historische und geographische Einordnung vornehmen müssen, und es wäre ein ausgezeichneter historischer Roman gewesen (und das von mir, die ich historische Romane verabscheue). Es ist alles da, die rivalisierenden Clans, die Verfolgung der Christen (die Verborgenen), die Religion (Ahnenverehrung, der Erleuchtete = Buddha), die Kultur.

„Das Schwert in der Stille“ ist ein wirklich angenehm und spannend zu lesender Roman mit sympathischen Hauptfiguren (mein Liebling ist bisher Kaede) und einer wunderbar intrigenreichen Geschichte. Gerne werde ich auch die beiden nächsten Bände der Reihe lesen, diesmal allerdings auf Englisch. Ich glaube nämlich, daß durch die Übersetzung einiges verloren gegangen ist. Manchmal kam mir das Deutsch ein wenig holprig vor.

Großen Dank an Lian Hearn übrigens dafür, daß ich nun endlich auch die dritte Höflichkeitsform der japanischen Anrede verstanden habe. Was eine Vermeidungsform ist, das wollte mir bis dato nämlich nicht in den Kopf. Hier, das ist es. Im ersten Satz spricht Kenji Takeo noch direkt an, im letzten Satz aber benutzt er die Vermeidungsform:

Schließlich sagte Kenji: „Kommt! Kommt! Mein Magen ist leer. Lord Takeo wird den Boden morgen wieder sehen können, wenn er Lord Otori begleitet.“

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