Die Erben der schwarzen Flagge

Die Erben der schwarzen Flagge von Michael Peinkofer

Die Erben der schwarzen Flagge von Michael Peinkofer

Es gibt Bücher, die kauft man und weiß eigentlich schon, daß sie literarisch nicht ganz das sind, was man normalerweise liest. „Die Erben der schwarzen Flagge“ ist so ein Buch. Zunächst wollte ich es auch gar nicht kaufen, denn es wurde vom Verlag als historischer Roman angepriesen und darauf stehe ich nun mal so gar nicht. (Immerhin habe ich Archäologie und Geschichte studiert, historische Romane sind für mich eine reine Qual, und noch schlimmer sind die Leute, die solche Bücher lesen und dann denken, sie wüßten, wie die historische Wirklichkeit aussah.) Nachdem ich aber hinten im Buch gesehen hatte, daß der Verlag auch „Der Schattenesser“ von Kai Meyer als historischen Roman einstuft, war mir klar, daß hier dieses Label nur vergeben wird, um (wie es ein guter Freund von mir herrlich zynisch formuliert hat) auch Frauen dazu zu bringen, Fantasy zu lesen. Der Klappentext von „Die Erben der schwarzen Flagge“ hat diese Ansicht dann noch bestärkt:

Die Karibik im späten 17. Jahrhundert … Obwohl das Weltreich der Spanier im Niedergang begriffen ist, ächzen die Kolonien unter der Knute der spanischen Herren, deren Galeonen die Schätze der Neuen Welt nach Europa tragen. Vor diesem Hintergrund erfährt der Sklave Nick Flanagan vom Geheimnis seiner Herkunft. Auf der Suche nach seiner Bestimmung ergreift Nick die Flucht und wird zum Bukanier – nicht ahnend, dass eine ungeheure Bedrohung die karibische Sonne verfinstert. Ein unheilvoller Plan, ein tragisches Schicksal und der geheimnisvolle Zauber des Voodoo reißen den jungen Flanagan in ein aufregendes Abenteuer um Rache, Sühne und die Liebe seines Lebens.

Hier einige Punkte, wieso dieses Buch kein historischer sondern ein Fantasy-Roman ist:

  • Voodoo wird nicht nur angewandt, er funktioniert auch in großem Umfang. (Zombiearmee, YES! Das hatten wir das letzte Mal bei schlechten DnD-Spielen …)
  • Die Tochter des Conde kann fechten wie ein Weltmeister. (Ob man dem Herrn Peinkofer mal sagen soll, daß die Sache mit den spitzen Gegenständen, die junge adelige Frauen betreiben, STICKEN heißt und NICHT fechten?)
  • Der jugendliche! Held bekommt erst nach und nach seine besondere (adelige) Herkunft enthüllt, davor glaubt er, der Sohn eines einfachen Seemanns zu sein. (Der Sohn des Bauern, der schließlich König wird … na wo haben wir DAS denn schon mal gehört?)
  • Der jugendliche Held gerät mit neun Jahren in die Sklaverei und bleibt dort 12 Jahre bis zum Beginn des Romans, trotzdem hat ihm sein Ziehvater beigebracht, wie man fechtet, Messer wirft, Schiffe baut, navigiert usw. usw.
  • Die Truppe des Helden setzt sich zusammen aus einem Schotten, einem Indianer, einem Schwarzen, einem Chinesen und einem Mönch. (Mangels verschiedener Fantasyrassen wurden hier also einfach verschiedene Hautfarben herangezogen. Ich vermute, der Schotte soll den mürrischen Zwerg ersetzen und der Priester … den Priester eben.)
  • Der Sohn des Bösen ist der Halbbruder des jugendlichen Helden und bekennt sich zum Schluß zum Guten. (*röchel* Luke! *röchel* Ich bin dein Vater. *röchel*)
  • Die Festung des Bösen wird eingenommen und der Böse getötet, dann wird alles von einem Erdbeben zerstört.

Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Aber wenn man einmal davon absieht, ist das Buch eigentlich gar nicht so schlecht. Sicher, vieles ist vorhersehbar, vor allem die Dialoge kann man quasi mitsprechen, ohne sie vorher gelesen zu haben. Gerade wenn man schon einiges an Fantasy gelesen und oft alte Piratenfilme gesehen hat, ist alles altbekannt. Aber Michael Peinkofer kann im Gegensatz zu vielen aktuellen Autoren zumindest mit der deutschen Sprache umgehen. Sein Text ist flüssig und gut zu lesen, sein Deutsch ausgereift und deutlich über dem Niveau anderer Autoren. Vor allem hat er sich aber die Mühe gemacht, einiges über Schiffe und die Seefahrt dieser Zeit zu recherchieren, er verwendet Fachbegriffe sinnvoll und richtig (und erklärt sie netterweise auch noch in Fußnoten).

Alles in allem ein vergnügliches Buch für einen verregneten Nachmittag oder eine längere Zugreise. Auch zum Verschenken sicher geeignet.

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