Das verbotene Lied

Das verbotene Lied von Taiping Shangdi

Das verbotene Lied von Taiping Shangdi

Die Bücher über die Abenteuer der Hofdame Pfauenauge, geschrieben von Taiping Shangdi (das Pseudonym eines bekannten französischen Autors) sind in Frankreich sehr erfolreich, um nicht zu sagen, ein Renner. Ein Grund mehr neben meiner Asienbegeisterung die ersten beiden Bände der Serie, die als einzige auf Deutsch erschienen sind, aus der Krabbelkiste im Supermarkt mitzubringen.

In „Das verbotene Lied“, dem ersten Band der Reihe, verspricht uns Lectures „Geheimnisvolle Intrigen im Reich der Mitte“ und auch der Klappentext sieht ziemlich gut aus:

Während das einst glanzvolle Reich der Mitte langsam in die Hände der Europäer übergeht, beherrschen diffuse Machtspiele den Hof des Kaiserpalasts. Auch die blutjunge Hofdame Pfauenauge verbirgt ein Geheimnis, denn das alte Buch mit den rätselhaften Zeichen, das sie heimlich an sich genommen hat, darf sie unter keinen Umständen besitzen. Ein fein gesponnenes Netz aus Angst und Verrat legt sich um Pfauenauge, als sie ihren Schatz zurückbringen will und feststellen muß, daß das Buch verschwunden ist …

Das Buch selbst ist aber weit weniger spannend und interessant als all die Vorschußlorbeeren vermuten lassen. Sicher, die 12jährige Meique (=Pfauenauge) gerät in eine Intrige und das Leben am kaiserlichen Hofe wird dabei auch ganz launig und anschaulich geschildert. Der Autor schafft es aber nicht, seinen Figuren und vor allem seiner Heldin die nötige Tiefe zu geben.

Zwar erfahren wir einiges über Pfauenauges Gedanken und Gefühle. Das ganze wird aber auf die selbe beiläufige, ja fast schon dozierende Weise geschildert, mit der der Autor auch die Verzierungen an den Palästen beschreibt oder die Speisefolge eines Bankettes auflistet. So ist es kein Wunder, daß keine rechte Spannung aufkommen will, wenn die junge Hofdame um ihr Leben bangt. Zudem hat Pfauenauge mit der eigentlichen Intrige kaum etwas zu tun. Viel spannender wäre es da meines Erachtens gewesen, die Geschichte des Eunuchen Kleiner Brillant zu erzählen.

Negativ ist mir außerdem aufgefallen, daß die historischen Figuren wie Kaiser Guangxu oder die mächtige Kaiserinwitwe Tseu Hi mit ihren chinesischen Namen, die fiktionalen Figuren wie Pfauenauge oder Kleiner Brillant mit ihren eingedeutschten Namen genannt werden. Einheitlicher wäre an dieser Stelle schöner gewesen, zumal es dem Leser durchaus zuzutrauen ist, die 12 handelnden Personen auseinanderzuhalten, wie exotisch ihre Namen auch sein mögen.

Das Buch hat aber auch seine guten Momente. Wenn die naive Pfauenauge zunächst nicht begreift, was genau Eunuchen von anderen Männern unterscheidet, zum Beispiel. Oder wenn einer der Eunuchen als Zeichen seiner Zuneigung ihr eben diesen Unterschied in Alkohol eingelegt zum Geschenk macht.

Ich werde dem zweiten Band auf alle Fälle eine Chance geben und dann hier darüber berichten.

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