Neuromancer

Neuromancer von William Gibson

Neuromancer von William Gibson

Case was the sharpest data thief in the Matrix, until an ex-employer crippled his nervous system. Now a new employer has recruited him for a last-chance run against an unthinkable powerful artificial intelligence. With a mirror-eyed girl street-samurai riding shotgun, he’s ready for the silicon-quick, bleakly prophetic adventure that upped the ante on an entire genre of fiction.

Was macht die Faszination von William Gibson aus? Was ist das Besondere an „Neuromancer“?

Die Handlung ganz sicher nicht, denn die ist schnell erzählt. Case, ein Hacker, kann nicht mehr arbeiten, weil ihm ein Ex-Arbeitgeber die Nervenbahnen versaut hat, und die braucht er nun einmal, um sich in die Matrix einzuloggen. Er versumpft in Chiba, bis ihn ein neuer Auftraggeber, Armitage, rettet. Er wird geheilt, muß aber jetzt für Armitage einen Job erledigen. Zusammen mit Armitage, Molly, einer Straßen-Samurai, Peter Riviera, einem Illusionskünstler, und dem gespeicherten Persönlichkeitskonstrukts seines ehemaligen Lehrers Dixie Flatline bricht er zur Orbitalstation Straylight auf, der Heimat und dem gleichzeitigen Firmenhauptsitz der Familie Tessier-Ashpool. Dort verschaffen sie sich Zugang, um es der künstlichen Intelligenz Wintermute zu ermöglichen, mit dem zweiten Teil ihrer Persönlichkeit, Neuromancer, zu verschmelzen und damit weit mehr werden zu können als alle künstlichen Intelligenzen vorher.

Und das war es. OK, das Ganze läuft deutlich komplexer ab als ich das jetzt hier zusammengefaßt habe. Es gibt Verwicklungen, Betrug und Gegenbetrug, Täuschungen und Tricks (und natürlich einiges an Tod und Blutvergießen). Aber im Grunde ist das alles an Handlung.

Trotzdem hat Gibson Science Fiction für immer verändert. Vor „Neuromancer“ war die Handlung von Science Fiction Romanen immer ganz weit weg. Entweder zeitlich oder räumlich oder sonstwie. Aber Gibsons Zukunft ist fast schon da. Sie ist so realistisch, das man oft nur nicken kann, so gnadenlos, das man schlucken muß, und gleichzeitig so faszinierend und ästhetisch in ihrer Dekadenz und Abartigkeit, daß einem immer wieder ein „Wow“ entfährt. So pervers seine Charaktere auch sein mögen, sie ziehen uns doch an, wie das Licht, das die Motte anzieht.

Vor allem aber ist Gibson der Poet unter den Science Fiction Autoren. Seine Sätze sollten laut vorgelesen werden, soviel Poesie ist in ihnen. Zynisch, sarkastisch, oft lakonisch und doch … Gibsons Texte sind durchzogen von kleinen Sprach-Juwelen. Hier ist zum Beispiel eines davon, die Beschreibung der Ninsei in Chiba aus Case Augen:

Your’re enjoying this, he thought; you’re crazy.

Because, in some weird and very approximate way, it was like a run in the matrix. Get just wasted enough, find yourself in some desperate but strangely arbitrary kind of trouble, and it was possible to see Ninsei as a field of data, the way the matrix had once reminded him of proteins linking to distinguish cell specialties. Then you could throw yourself into a highspeed drift and skid, totally engaged but set apart from it all, and all around you the dance of biz, information interacting, data made flesh in the mazes of the black market …

Auf alle Fälle und für alle Zeiten aber ist „Neuromancer“ das Buch mit dem genialsten Anfang aller Bücher:

The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel.

Vielleicht bin es nur ich, aber so abartig und verseucht die Zukunft auch ist, die Gibson uns da entwirft, manchmal wünschte ich, ich wäre selbst dort, under dead television skies.

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