Der Vampyr

Der Vampyr von Lord Byron und John William Polidori

Der Vampyr von Lord Byron und John William Polidori

Das Hörbuch „Der Vampyr“ enthält gleich zwei Erzählungen dieses Titels. Wobei man auf das Fragment von Lord Byron gerne hätte verzichten können. Es ist nämlich nicht nur extrem kurz sondern eben auch ein Fragment, sprich eine Geschichte ohne rechten Anfang und ohne Schluß. Allerdings findet man hier ein Motiv, das Byrons Leibarzt John William Polidori später in seiner eigenen Erzählung „Der Vampyr“ verwendet hat, die in voller Länge auf dem Hörbuch zu finden ist:

Ein geheimnisvoller Fremder macht die vornehmen Londoner Salons unsicher und erobert die Herzen der Damenwelt im Sturm. Alle, die sich ihm hingegeben, finden ihr Leben jedoch binnen kürzester Zeit in Trümmern liegen. Der eiskalte, totenblasse und doch so charmante Lord Ruthven scheint mit einem Fluch behaftet, was den jungen Edelmann Aubrey nicht davon abhält, mit ihm auf große Europareise zu gehen. Nach und nach aber erkennt Aubrey das wahre Gesicht seines Begleiters: die Fratze eines blutrünstigen Vampirs …

Ganz so simpel wie hier im Klappentext beschrieben, ist die Geschichte allerdings nicht. Aubrey vermutet schon recht früh, daß Lord Ruthven ein Vampir ist, trotzdem verfällt er wieder dem Charme seines Begleiters. Ja er schwört dem sterbenden Lord sogar, daß er ein Jahr lang nichts über dessen Machenschaften und dessen Tod verlauten lassen wird. Und dieser Schwur wird ihm und seiner Familie zum Verhängnis.

Polidoris Geschichte ist nicht nur deshalb faszinierend, weil sie die erste moderne Vampirgeschichte überhaupt ist. Nein, man kann in ihr auch eine Metapher für sein Verhältnis zu seinem Arbeitgeber Lord Byron sehen, mit dem Polidori zudem ebenfalls auf eine Reise durch Europa ging. Zunächst miteinander befreundet wandelte sich die Beziehung der beiden schnell in ein reines Herr-Knecht-Verhältnis. Der extravagante und charismatische Byron war schon bald von seinem Leibarzt gelangweilt und machte ihn zur Zielscheibe seines Spotts.

Ob es das war, was Polidori schließlich 1821 in den Selbstmord trieb, oder ob der Grund eher darin zu sehen ist, daß die Gesellschaft ihm nie geglaubt hatte, daß er „Der Vampyr“ selbst geschrieben hatte, sondern seine Erzählung immer seinem Arbeitgeber zuschrieb, weiß man nicht. Wenn man die Geschichte aber hört, kann man sehr gut erspüren, wie Polidori unter Lord Byron gelitten haben muß.

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