Kleider machen Leute

Kleider machen Leute von Helmut Käutner

Kleider machen Leute von Helmut Käutner

„Kleider machen Leute“ ist eine meiner Lieblingsnovellen, überhaupt mag ich Gottfried Keller sehr gerne (und besitze auch sein gesammeltes Werk). Entsprechend war ich auf die Verfilmung mit Heinz Rühmann gespannt. Und darum geht es:

Schneidergeselle Wenzel hat den Frack des Bürgermeisters verpfuscht und wird entlassen. Den Frack jedoch darf er behalten. Wegen seiner vornehmen Kleidung hält ein Kutscher ihn für einen russischen Grafen. Als solcher wird Wenzel in Goldach empfangen und hofiert. Da taucht der wahre Graf Stroganoff auf, und die Lage für das arme Schneiderlein wird brenzlig. Helmut Käutner inszenierte Gottfried Kellers Novelle 1940 u. a. mit Heinz Rühmann.

Die Verfilmung ist charmant, keine Frage. Heinz Rühmann brilliert als schüchterner Schneidergeselle und auch die übrigen Darsteller spielen mit großer Lust. Gerade die Idee, die Aufführung der Schneider von Seldwyla in die alemannische Fasnet zu legen und Masken (sogenannte Häs) zu verwenden, ist ganz große Klasse.

Trotzdem vermisse ich in der Verfilmung die feine Gesellschaftskritik, die Keller in seinen Novellen transportiert. Im Film werden alle Geschehnisse von außen eingefädelt, erst von einem geheimnisvollen Puppenspieler, dann von Graf Stroganoff, während im Buch alle Ereignisse allein von der Vorstellungskraft der Goldacher Bürger gespeist werden. Die gute Kleidung und das gute Benehmen Wenzels reichen schon, um die Standesunterschiede zu verwischen. Sicher spielt der Standesunterschied auch im Film eine Rolle, aber nicht primär. Vielmehr tritt er zu Gunsten der Begegnung mit Nettchen (gespielt von Hertha Feiler) zurück. Aus der bissigen Gesellschaftskritik ist eine romantische Komödie geworden. Schade.

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