Frauen des Jahrhunderts

„Frauen des Jahrhunderts“ herausgegeben von Christiane Naumann verspricht uns „Vierzehn unvergessene Lebensbilder“ zu präsentieren. Ich bezweifle allerdings, ob wirklich alle der darin enthaltenen Portraits Frauen darstellen, die so unvergessen bzw. überhaupt bekannt sind. Sicher, einige der Ladies sind weltberühmt, andere aber doch eher unbekannt. Im einzelnen treten auf:

  • Marie Curie, erste NobelpreisträgerIn
  • Maria Montessori, Visionärin der Pädagogik
  • Rosa Luxemburg, sozialistische Philosophin
  • Amelia Earhart, Luftfahrtpionierin
  • Marlene Dietrich, Göttin der Leinwand
  • Leni Riefenstahl, Ästhetin bar jeder Moral
  • Erika Mann, Schriftstellerin und passionierte Kämpferin gegen das 3. Reich
  • Coco Chanel, Modepäpstin
  • Mutter Teresa, Heilige der Armen
  • Marion Gräfin Dönhoff, Grande Dame des Journalismus
  • Indira Ghandi, Kaiserin … äh … langjährige Ministerpräsidentin von Indien
  • Marguerite Yourcenar, erste Frau im holden Kreis der Académie Française
  • Gudrun Ensslin, RAF-Terroristin
  • Martina Navratilova, in jeder Hinsicht andere Tennisspielerin

Frauen des Jahrhunderts herausgegeben von Christiane Naumann

Frauen des Jahrhunderts herausgegeben von Christiane Naumann

Wenn man sich jetzt allerdings 14 Kurzbiographien erhofft, dann wird man wohl ein wenig enttäuscht sein. Klassische Biographien konnte ich im ganzen drei identifizieren (Curie, Earhart, Mann), die übrigen Aufsätze bringen uns zwar immer wieder biographische Eckdaten näher, sind schlußendlich aber eher Essays über die Bedeutung, das Wesen, eben das Besondere der jeweiligen Frauen. Allerdings sind die Entstehungsjahre der Beiträge und auch das Format in dem sie ursprünglich abgedruckt waren sehr sehr unterschiedlich. Am Sinn einer solchen Zusammenstellung kann man durchaus zweifeln. Mehr Texte gleicher Qualität und vor allem gleicher Intention wären an der Stelle meines Erachtens nach besser gewesen.

Ganz heraus fällt dabei übrigens der Beitrag über Gudrun Ensslin, der eine Annäherung an die RAF-Terroristin versucht, indem er ihr kurz vor ihrem Lebensende in der JVA Stuttgart-Stammheim eine wütende Rede in den Mund legt. Ungewöhnlich, aber durchaus interessant und gelungen.

Für mich ist dieser schmale Band vor allem ein Buch, das Lust macht auf mehr. Auf mehr Bücher, genau! Unbedingt muß ich demnächst etwas von der mir bis dato völlig unbekannten Erika Mann lesen, dann natürlich alles was mir noch vom Werk meiner Lieblingsschriftstellerin Marguerite Yourcenar fehlt (und das ist noch so einiges wie ich gemerkt habe). Die Bücher von Coco Chanel und Marion Gräfin Dönhoff stehen jetzt auf meinem Programm. Und, ja, „Wenn Du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ natürlich (wunderbares Wortspiel im übrigen!), das Buch, aus dem Gudrun Ensslins imaginäre Rede stammt.

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