Mit Schirm und blinkender Pistole

Mit Schirm und blinkender Pistole von Martha Grimes

Mit Schirm und blinkender Pistole von Martha Grimes

Ich liebe Krimis im englischen Stil. Allen voran natürlich die von Agatha Christie, aber auch die Inspektor Jury Bücher von Martha Grimes (obwohl die ja bekanntlich Amerikanerin ist). Deshalb hat mich der Klappentext von „Mit Schirm und blinkender Pistole“ sehr erfreut:

Mysteriöse Ereignisse überschatten die ländliche Idylle von Little Puddley: Die junge Lady Madrigal du Bois verletzt sich beinahe tödlich bei einem Sturz vom hohen Roß; die alte Lady Whitsun nimmt ihren Tee versehentlich mit Milch und Zyankali. Nachts huscht eine geheimnisvolle Gestalt übers neblige Moor. Scotland Yard schickt seinen besten Mann: Inspektor Modergard. Doch das Meucheln hört nicht auf. Steckt am Ende der Inspektor selbst dahinter? Mit diesem in jeder Hinsicht außergewöhnliche Buch präsentiert sich die Kriminalautorin Martha Grimes als Meisterin ihres Fachs, die ebenso souverän wie verschmitzt mit sämtlichen Varianten des Genres spielt.

Was man dann aber bekommt ist kein Krimi, zumindest nicht im eigentlichen Sinne des Wortes. „Mit Schirm und blinkender Pistole“ ist eine Persiflage auf sämtliche englische Kriminalautoren und ihre Geschichten. Und das in Reimform! Da wird gemordet und intrigiert was das Zeug hält, jeder hat irgendwie irgendwo eine Leiche liegen oder plant gerade einen Mord. Es gibt den jungen Frauenheld, der nur auf seinen Vorteil aus ist; die adeligen Geschwister, die nichts als dekadent sind; den alten Lord, dem nur die Jagd wichtig ist; den Dorfpub und die übliche lästernde Meute darin; Dorfdeppen, ältliche Jungfern, Butler, Gärtner, Köchinnen, Dorfpolizisten; und natürlich den einsamen und geheimnisvollen Inspektor vom Yard.

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn ich der Meinung bin, daß in der deutschen Übersetzung viel verloren geht. Teilweise klingen die Gedichte holprig, das Silben- und Reimschema paßt nicht so recht, usw. Es ist eben immer ein wenig schwierig, Lyrik in eine andere Sprache zu übertragen. Mein persönliches Lieblingsgedicht ist dieses Rondell (zumindest denke ich, daß es ein Rondell ist, ich bin auch nicht unbedingt der Gedicht-Spezialist):

Auf falschen Wegen zu den falschen Schlüssen liegen
Indizien ausgestreut, das Auge zu betrügen.
Ein Wagen fährt durch den Gespensterhain.
Er wird sogleich in eurem Hofe sein.

Indizien ausgestreut, das Auge zu betrügen:
Pistole, Messer, auf dem Boden Blut.
Er wird sogleich in eurem Hofe sein.
Der Fahrer kommt zur Tür, trägt Trench und Hut.

Pistole, Messer, auf dem Boden Blut,
nichts ist, wie es erscheinen muß.
Der Fahrer kommt zur Tür, trägt Trench und Hut.
Grad wie in einem klug verschränkten Schluß

nichts ist, wie es erscheinen muß.
Im Schweigen kann sich Hoffnung konzentrieren
grad wie in einem klug verschränkten Schluß.
Sei wachsam. Still. Geduldig. Laß ihn kombinieren.

Im Schweigen kann sich Hoffnung konzentrieren.
Sie sagen, daß der Wind die Antwort trüge.
Sei wachsam. Still. Geduldig. Laß ihn kombinieren
auf falschen Wegen zu den falschen Schlüssen. Lüge.

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